Sicht aufs jenseitig Unterbewusste

Als Meisterstück tiefenpsychologischen Einsinkens in die Untiefen des Bewusstseins alles Lebens erweist sich der Blick unter die Oberfläche des Wassers. Jeder Mensch hat schon über einen Seespiegel oder aufs Meer hinaus geschaut und sich dabei gefragt, was sich in der Unterwasserwirklichkeit stiller oder wilder Gewässer verbirgt.

© Georges Scherrer

Das Wasser, als Träger seiner Geheimnisse, fliesst unverzichtbar auch durch den Körper des Menschen, tagaus, tagein, als Bier, als Elixier, als lebenserhaltender Nährstoff, als ungiftiges Dihydrogenmonoxid, und greift so in das Unterbewusstsein ein, trägt aus seinen Tiefen Bilder in dieses hinein, die das menschliche Sein seit den Ursprüngen begleiten.

Traumbilder regieren die Welt des Menschen, die seit Menschen Ermessen aus Untiefen und auch Tiefen des Wassers an die Erdoberfläche gefunden haben. Wenn der Schwan mit seinem Kopf durch das Gewebe kickt, welches als Oberfläche das in den Seen und Meeren gesammelte Wasser von der oben aufliegenden Luft trennt, dann schaut der weissleuchtende Vogel in die Unterwasserwelt und sieht, was sie enthält.

Was aus der Sicht jener von oben auf dem Seeboden als Unkraut erscheint, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als ein paradiesisches Gebilde aus Farbe und Bewegung. Schlingpflanzen, welche das Unterbewusste umfangen und zu sich niederziehen, und Fische, deren Formen Angst einjagen, erscheinen als Teil einer wunderschöne Fauna und Flora, welche die Seen und Meere durchziehen und im Unterbewussten des Menschen ihre vitalen Spuren hinterlassen.

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Der Fisch ist keine Pflanze

Wer im Detail verweilt, erkennt das Ganze.

Georges Scherrer

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Ich glaube nicht an Fakenews

Wer der Internet-Glaubensgemeinde weismachen will, dass es sich bei dem abgebildeten Objekt um ein gut durchgebratenes Huhn mit knuspriger Kruste handelt, der handelt ganz im Sinn von Instagram. Die prallen Schenkel des gerösteten Vogels sind vom Feuer schön braunrot gefärbt.

© Georges Scherrer

Der Hals schaut, wie es sich für ein brutzelndes Huhn gehört, keck und ohne Kopf fidel in die Höh‘. Das Huhn – oder ist es ein Hähnchen? – harrt zuversichtlich der Dinge, die in Form von Messer und Gabel auf es zukommen werden. Die hier abgebildete Hülle des kulinarisch sorgfältig zubereiteten Federviehs macht jedoch nicht sichtbar, ob der Leckerbissen tatsächlich auch über Knochen verfügt, die nach dem Verzehr des Fleisches zu einer kräftigen Hühnerbouillon verkocht werden können.

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Der Mords-Sommer – Spannung exquisit

 

c G. Scherrer

Der Sommer begann mit einer Anfrage: Stehst du wieder als Experte für verfilmte Literatur zur Verfügung? Die Antwort „Ja“ führte dazu, dass die heissen Monate ganz anders verliefen, als ich gedacht: nämlich kriminell. Unter den verfilmten Büchern befindet sich der berühmte „Murder on the Orient Express“. Ich postete mir das Buch von Agatha Christie und – rein aus Neugier – gleichzeitig ein weiteres: „4.50 from Paddington“.

Wenn man sich auf die Arbeit als Experte vorbereitet, dann weiss man: Ich muss mich auf verschiedene Szenarien einstellen. Allgemein sagen viele unkundige Christie-Kenner, die Ägypten im Orient ansiedeln, der „Death on the Nile“ ähnle dem Orientexpress. Um mich als Experte auf Ungereimtheiten in der Arbeit der Prüflinge zu wappnen, beschloss ich also, in den zurückliegenden Sommermonaten auch die Geschichte auf dem „Nil“ zu lesen – mit der Folge:

Wieder einmal hat mich das Agatha-Christie-Fieber gepackt. Dies trieb mich dazu, nach der Nilfahrt zum Londoner Bahnhof Paddington zu greifen. Der Buchdeckel machte mich darauf aufmerksam, dass es sich um eine Miss-Marple-Geschichte handelt. Ich sagte mir sofort: Das lass ich mir nicht entgehen! Ich prüfte, ob es sich beim „Paddington“ um den ersten Marple-Auftritt handelt. Dem ist nicht so! Jane Marple trat über das Buch „The Murder at the Vicarage“ in die Weltliteratur ein. Die übrigen Marple-Stories sicherten ihr den festen Sitz im Olymp der Literaturgeschichte.

Mich nahm es selbstverständlich wunder, wie Agatha Christie ihre Miss Marple in die Literatur einführte. Jene, die damals, als das Buch erstmals erschien, den „Mord im Vikariat“ lasen, wussten nicht, welche Rolle die Autorin ihrer neuen Figur beimass. Heute wissen wir es. Ich las das Buch darum aus einer ganzen speziellen Spannungsperspektive: Wie wird Miss Marple werden, was sie geworden ist. Jetzt weiss ich es – und ich weiss auch: Der Sommer hat sich gelohnt.

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Das Klima

Turnabout the world

from #996 to #537

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Die Seidenstrasse

© Georges Scherrer

 

Die Zahl aller Zahlen ist die Neun
996 wendet des Chinesen Wirtschaft
So wie die 666
Auf den Kopf gestellt
Des Teufels Mume wird
911 küsst das Ende der Welt

 

Nine To Nine six days the week
Lautet Chinas frische Demut
Arbeit der Welt neue Ordnung
Kommt über die Seidenstrasse
Spinnt neue Fäden
Um die Welt
#996

 

Wer jammert über die neue Weltordnung
Die Drei der Neun einziger Teiler
Setzt den Schluss
Erkenntnis Wandlung Genuss
Die Null ist das Nichts
Die Neun das Ende
Dazwischen als Dreisatz keimt
Chinesischer Drill

 

Mathematik!
Seltsame Zeichen seltsame Rechnungen
Transformieren den Geist
verwirren die Erkenntnis
Dennoch sei die Formel genannt
Die alles Werden Wirken und Vergehen
Bestimmt

 

111=3×1=3×3=9
222=3×2=6×3=18=1+8=9
333=3×3=9
444=3×4=12=1+2=3×3=9
555=3×5=15=1+5=6×3=18=1+8=9
666=3×6=18=1+8=9
777=3×7=21=2+1=3×3=9
888=3×8=24=2+4=6×3=18=1+8=9
999=3×9=81=8+1=9

 

Wer aus den Zahlen die Wahrheit liest
Macht der Macht den Garaus
Und auf der Strasse der Raupe
Die über die Seidenstrasse zieht
Die der Fuss zertritt

 

© G. Scherrer

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Die flotte Bohnengaleere mit Beiboot

Ende Winter ist dieser Typ von Boot relativ leicht zu beobachten: Ein typische, gut gefüllte Bohnengaleere mit Beiboot. Sie ist startklar für ihre Fahrt in den Frühling und wird gleich zu den Magensäften in See stechen.

Ihre besonderen Merkmale: Leuchtende und frische Farben, die Vorboten des Frühlings, laden zum Einsteigen auf das Gefährt ein. Die Reise gelingt am besten, wenn sich die Passagiere vorsichtshalber mit Gabel und Messer ausrüsten, um allfällige Seeräuber abzuwehren, welche das Schiff kapern wollen.

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Garantiert ungiftig

Dieses Pilzgericht basiert auf Kartoffel und Geschnetzeltem an einer pilzfreien Sauce und kann darum ohne Fliegenpilzfeeling genossen werden.

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Ab in den Kübel

Manchmal wirken Gerichte, als hätten diese direkt von der Gasse in die Gosse gefunden und würden erst danach als Speise auf den Tisch gesetzt. Beim vorliegenden Fall entsteht jedenfalls dieser Eindruck. Wenn ich all das Gewürm seh, das auf dieser Speiseplatte frisch und fröhlich herum kriecht, dann kann ich nur noch das Gesicht verziehen. Ich verstehe, warum viele Leute ihre Finger von von Fisch und Fleisch lassen und kulinarisch zölibatär leben.

Ehrlich gesagt! All dieses Getier, das glitzernd, grün oder gelb daher kommt und sich unordentlich in den Tellern platziert, als seien diese nichts anderes als Kehrrichteimer, in welche man einkehrt, nachdem man die Nacht durchgezecht hat, erweckt wenig Appetit und fördert die Hungerstillung nicht. So ungefähr kommt mir diese Komposition vor.

Man weiss gar nicht, ob das nun Fleisch, Fisch oder Vogel ist. All dieses Gezücht! Es ist nicht ersehbar, ob sich da Engerlinge und Fischeier in die Masse hinein gestohlen haben oder ganz einfach nur die vulgäre Made in den Haufen gekrochen ist.

Das Ganze wirkt so, als seien die vorgesehenen Speisen unkontrolliert in die Anrichte geraten und danach mit spitzen Fingern, Messer und Gabel vorsichtig über die verschiedenen Teller und Platten verteilt worden.

Als hätte der Miesefisch beim Einkauf zugebissen, sodass er von den Fingerbeeren nicht mehr abgeschüttelt werden konnte und so auf den Teller fand.

Aber, Hand aufs Herz, so schlimm wirkt dieses Gericht nicht, wenn man es im richtigen Licht betrachtet:

 

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Endlich wieder Frühling!

Das Brennnessel-Süppchen begrüsst mit ihren drei Freundinnen die frisch eingetroffene Jahreszeit.

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