Nachtgedanken

Die lange Sommerabende können bis tief in die Nacht hinein führen. Sobald die Sonne untergegangen ist, gehen neue Lichter an. Ihr Schein weist die die physische Strahlkraft jenes Sterns auf, der die Erde im Tagestakt aus dem Dunkel ins Helle herausholt und ins Schwarze wieder hinab senkt.

Hier ist die Rede von einem Licht, das für den Menschen gleichbedeutend scheint wie die Sonne. Der Mensch wäre ohne all das, was er spricht und schreibt, nichts mehr als eine Blume oder ein Tier, das ohne Erinnerung vor sich hin lebt und bei Bedarf weg gesteckt werden kann.

Da lobt sich das Klügste aller Geschöpfe seines Griffels, der ihn durch die Nachtstunden begleitet und aufschreibt, was den Tag erleuchtet – heller als die Sonne, die manchmal nur trübe in das Gemüt des Menschen strahlt, wenn er für einmal wieder in Schwermut sinkt.

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Die Menschwerdung der Schweiz

Von Einfalt zu reden ist nicht angebracht. Es ist Nationalfeiertag. Das Schweizer Kreuz trägt als Wappen keine Falten. Nur wenn es auf einer Fahne im Wind weht, kann es zu Faltenbildungen kommen – sogar zum mehreren Faltenbildungen. Ist die Fahne lange Wind und Wetter ausgesetzt, kann es zu einer Beschädigung des Stoffs kommen, welcher das Kreuz auf rotem Hintergrund trägt. Die Fahne kann reissen, zerfransen, an Leuchtkraft verlieren und sogar, derart verhutzelt, von empörten Schweizern als Schandfleck von der Stange gerissen werden.

 

Eine ganz andere Beschädigung des Schweizer Kreuzes findet statt, wenn dieses als Salat angerichtet ist und sich die 1. August-Feierenden hungrig auf das kanadische Buffet stürzen. Dann gibt es für den Schweizer Emblem keine Gnade. Die Schichtungen des Symbols werden Stück für Stück abgetragen.

 

Ob solcher Respektlosigkeit könnte Gut-Schweizer die Hände verwerfen und um Gnade des malträtierenn Salats flehen. Was sich nun als vaterländisches Schauspiel in der Salatschüssel zeigt, kann an keinem Fahnenmasten mehr aufgezogen werden. Die Restanz aus der Schlacht am Salatbuffet wäre eine offene Beleidigung der Eidgenossenschaft.

 

 

Ist sie aber nicht! Der abgedeckte Salat „Schweiz“ offenbart, woraus er wirklich besteht. Unter Spargel und Party-Tomaten werden die Ingredienzen typisch schweizerischen Küchentums sichtbar: Cervelat, Zwiebel und Käse.

Nimmt die Schweiz ihren Hut ab, offenbart sich darunter, was das prosperierende Land ausmacht: Nicht Einfalt, sondern eine Vielfalt an Farben und Formen. Der Veganer lebt neben dem Fleischesser, der Rote neben dem Gelben, die Rebe neben dem Weintrinker, alle Farben sind willkommen. Des Schweizers Sicht auf seine Welt beschränkt sich nicht auf das Schema Schwarz-Weiss,vielmehr Rot-Weiss. Im Gegenteil! Er öffnet Tor und Tür, damit die Vielfalt dem Land Erneuerung bringt.

 

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Der Flug des Spargelvogels

Der Frühling ist längst vorbei. Dennoch ist ein Schwarm Spargeln noch unterwegs. Er zieht als Spargelvogel seine Runden und lässt sich nicht eingefangen.

Denn der Frühling ist nicht an eine Jahreszeit gebunden. Die mit dieser Zeit des Jahres verbundenen Gefühle reichen weit in den Sommer hinein, besonders wenn Ferien anstehen.  Der Spargelvogel gilt als Beschützer dieser schönen, geruhsamen Zeit. Darum dreht er unbeirrt seine Kreise, blinzelt mit seinen zahlreichen Augen seinen Bewunderern zu und narrt seine Kritiker, die äffen, der Spargel Zeit sei längst vorbei.

Im Grunde haben diese Recht. Der Spargel darf bis zum 21. Juni geerntet werden. Als Kunstprodukt aber überlebt er ohne Problem dieses Datum.

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Sand in die Augen der Leute

Wie üblich hat es an einem G20-Gipfel wieder einmal gehörig gekracht. Protestiert wurde, diesmal in Hamburg, mit dem Presslufthammer, so dass Worte und Argumente nicht mehr gehört werden konnten. Geschuftet wurde in den Strassen der Hansestadt, als ob Palmyra und Bamiyan gleichzeitig dem Erdboden gleich gemacht werden sollten.

Viel Sachschaden, Straftaten und Verletzte werden beklagt. Es lässt sich aber sagen: Die Organisatoren des G20 sind selber schuld, wenn sie das Treffen in einer Grossstadt organisieren. An einem solchen Ort ist viel Material vorhanden, das kurz und klein geschlagen werden kann.

Das nächste Mal sollte dieses Treffen in der Wüste stattfinden. Dort könnten die Demonstrierenden unter dem Schutz der Polizei die Wüste demolieren und in Schutt und Asche legen.

Die Sandstreumühle

Diese wüsten Wüsten-Szenen werden die Öffentlichkeit allemal schockieren, denn keine Botschaft ist besser verkündet, als wenn sie in den Sand gebaut wird. Der Rauch der Petarden wirbelt auf und auch der Sand, wenn die Protestmaschinerie durch diesen wühlt. Der Rauch löst sich auf, der Sand setzt sich wieder. Hamburg und die Wüste Gobi finden auf diese Weise bestens zusammen. Hie wie dort können sich die G20-Gegner ein tolles Denkmal setzen, dessen Botschaft heisst: Vom Winde verweht.

Derart den Menschen Sand in die Augen gestreut, unterscheidet sich wesentlich vom gesetzten Ziel, „Sand im Getriebe“ der aktuellen Politik und Macht der Herrscher zu sein. Die gewaltigen Sandstreumühlen der G20-Gegner erweisen sich vielmehr als ein probates Schlafmittel, um beim Thema G20-Protest geruhsam einzuschlafen und danach wieder aufzuwachen, als ob nichts gewesen wäre – nach dem bekannten Motto: „Viel Lärm um nichts“. – Liu Xiaobo schaufelte nicht Rauch.

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Suchrätsel

Wo versteckt sich da nur der Foie gras ?

Bitte nicht zu lange suchen, sonst fliesst der Leckerbissen weg.

Sommers isst sich die exquisite Speise aus Frankreich „sans arrêt“ (will heissen: in einem Zug und immer wieder). Geniesser wissen diese deliziöse Aufforderung zu würdigen, indem sie sich ihr widerspruchslos hingeben.

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Spargelgerechter Saisoncervalsalat garniert mit Meerfrüchten

Wem nicht alles Wurst ist, der garniert den entsprechenden Sommersalat mit Garnelen und anderem Getier, das aus dem Meer zu den Menschen findet.

In Blau gebadet entfaltet die Speise erst jene Frische, die einen Sommerabend kühl erscheinen lässt.

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Sommerfrische unüberbietbar

Unverkennbar! Gehört auf jeden Tisch, der in Sommerhitze Kühlung verschaffen soll.

Frühling und Sommer (FrSo) stehen sich bei, um gemeinsam  – in Gemüse- und Fruchtgemeinschaft (GeFru), verstärkt durch die Speise-Union Wurst und Käse (SU-WuKä) – den Monat Juni abzuschliessen.

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Saisonwechsel

Wenn die Melone auf dem Teller die Spargel ablöst, dann ist der Frühling endgültig vorbei.

 

Diese alte Bauernregel bewahrheitet sich auch in der Neuzeit, sprich in der heutigen Nachmoderne. Nach der Vormoderne kommt die Moderne. Diesen muss etwas folgen. Nämlich: Die Nachmoderne. Irgendwie vermittelt sie das Gefühl, es folgte in Kunst und Musik nichts Neues. Es ist ein Gefühl von Schon-Gehört und Schon-Gesehen.

Darum: Zurück zu den bewährten Bauernregeln! Eine solche heisst: In den Geschäften verschwindet der Spargel aus den Verkaufsregalen, wenn am 21. Juni der Sommer den Frühling ablöst.

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Bayrische Spargelschwemme mit Kunstbier

Gruss aus München: bayrische Spargelschwemme mit Kunstbier!

Nicht in Massen

genossen, mundet diese Speise vorzüglich. Sie gilt als äusserst bekömmlich. Wie die Weisswürste, verfügt auch die bayrische Spargelschwemme über eine Regelung.

Die bayrische Weisswurst darf nur vormittags genossen werden. Der Verzehr der bayrischen Spargelschwemme beschränkt sich auf die Frühlingsmonate. Das beigestellte, aus Äpfeln gewonnene, süss schmeckende Bier ist – mit dem entsprechenden Alkoholgehalt – auch vorgeschrieben. Alkohol beifügen ist verpönt.

Diese Vorschriften haben mit der Zeit dazu geführt, dass die Bayern heute mit noch grösserer Freude den Frühling erwarten als das beliebte Oktoberfest.

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Nur für Geniesser!

Der Froschschenkelfriedhof.

Diese Stätte kann nicht umgangen werden von all jenen, die die Schenkel von Fröschen zu ihrem Gericht gewählt haben. Trauer vermittelt dieser Anblick, weil der Verzehr vorbei ist und der Gaumen nur noch von der Erinnerung lebt.

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