Tauwetter im Winter

Ratzekahl fast – nicht das Wetter, aber die frühlingshaft grün schimmernde Wiese.

Ratzekahl fast grau die umliegenden Häuser und der Himmel über ihnen.

Kinder haben sich als Tau erwiesen. Nicht als Schneeschmelze.

Weggeschleppt und weggezerrt haben sie den Schnee und so das Gras mitten im Winter freigelegt, als ob es Frühling wäre.

Kinder haben den Schnee weggeräumt. Nicht als Schneeschieber oder Streuwagen, sondern gewissenhaft und aufs Ziel gerichtet gesammelt.

Kinder verrichten ihren Winterdienst anders als Schneeräumfahrzeuge. Sie haben die Wiese freigelegt – nicht der Wiese wegen.

Sie wollen ein Haus bauen. Doch die Wiese ist klein. Dem Haus fehlen Fenster und Dach. Der aufgehäufte Schnee reicht nicht zum Haus. Wenn schon! Die Mauer steht, nicht hoch, aber steht.

Es bleibt der Eindruck von einem Haus, das dahin schmilzt, mitten im Winter als frühlingshafter Gruss.

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Herbstabschied oder die Maske und die Nuss

Sind Mund und Nase abgedeckt, erhalten die Augen eine ganz andere Bedeutung. Diese unterscheidet sich ganz deutlich vom dunklen Dreiklang: Augen zu, Ohren zu, Mund zu. Ich will nichts hören, nichts sehen, nichts sagen.

Die Schutzmaske, die dieses Jahr landauf, landab über Mund und Nase getragen wird, verbirgt die Mimik, welche das Gesicht als weiteres Kommunikationsmittel neben Augen, Mund und Gestik einsetzt.

Ja, sicher, das geht ins Auge, wenn man jemandem nicht auf den Mund sieht. Weil eine Maske davor hängt. Und besonders dann, wenn der Blick über die Maske wieder hinauf steigt und dort ins Auge fällt.

Die Blicke verharren kurz ineinander, ganz so, als wollten sie klären, was sich auf und um die Lippen abspielt, die unsichtbar bleiben. Worte ersetzen nicht den Ausdruck des Mundes.

Genauso verhält es sich mit den Nüssen, wenn ihre Präsenz auf dem Speiseteller das Gemüse maskiert. Sie lenken den Blick des Essers auf ganz natürliche Weise ab und hinauf zu den Fettaugen auf dem Fischfleisch und entlarven das Menü: Bei der Platte handelt es sich nicht um eine vegane.

Eine Schutzmaske ist heute nicht nur mehr eine Maske, sondern eine Larve, wie man sie zumeist an Karneval trägt. Die Weiterentwicklung der Masken hat dazu geführt, dass auch die Baumnüsse sich zu Masken entwickelt haben, wenn sie das Gemüse auf einem Teller schmücken.

Die Maske ist in der aktuellen Lage der Pandemie überall. Die Masken greifen um sich. Decken ab, was sie müssen, was sie wollen. Eine Spezie dieser Verhüllnatur hat sich sogar auf den Teller niedergelassen, der vor mir liegt.

Da liegen drei Nüsse auf dem Gemüse und formen als Ganzes eine Maske. Mir gefällt das wunderbar. Die Maske scheucht die Winterdepression weg. Nicht droben in den Bergen, aber drunten im Tal drückt die Kälte, Feuchte, Dunkelheit stark auf das Gemüt.

Die Nüsse markieren, nein maskieren aufs Beste ein Sommergericht, dass kurz vor dem—Einbruch des Winters serviert wird.

Darum! Ein Hoch auf das drei Mal gewetzte Messer und die vierfach angespitzte Gabel, die in adäquater Zusammenarbeit die Speise für den Gaumen vorbereiten und diesem zuführen, und auch auf die Nussmaskerade, die in Winterszeit den Sommer herbeizaubert.

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Die Kaninchenkeule

Rabiat können diese Viecher sein. Das ist unbestritten. In englischer Sprache heissen sie schon fast rabiat: Rabbits! Diese Tierchen!

Und heimtückisch können sie auch sein. Da macht ihnen kein Fuchs nichts nach! Mir widerfuhr solches. Ich wurde ihr Opfer. Und das ist kein Küchenlatein, sondern gelebte Erfahrung. Sie haben mich ganz schön in die Pfanne gehauen. Doch alles der Reihe nach.

Aufgetischt war die gusseiserne Pfanne, jene von der Oma, ein ganz altes Stück, das seit Jahrzehnten seinen Dienst leistet. Weil der Braten in ihr immer gut gerät: gegart, gekocht, gut gezogen.

In dem Fall nichts von einem Braten! Weil vegan. Für einmal. Soll gesund sein. Und das Gemüse in einer Pfanne abgekocht, die auch schon manchen Braten zur Vollendung brachte! Ist ein Risiko.

Das Gemüse dürfte einen Rest von Fleischgeschmack aus der Pfanne gezogen haben können.

Doch kam es viel schlimmer. Die Pfanne ist auf den Tisch gestellt. Tomaten, Bohnen, Kartoffeln. Das leckere Mahl. Ohne Fleischbouillon gekocht. Eine Wohltat für jedes Bio-Vegi-Auge. Auch meines. Geht tief in die Pfanne hinein. Die Nüstern nehmen den Duft des gedämpften Grün- und Rotzeugs auf. Versinken in einer Duftwolke urwüchsiger Natur. Kartoffel schimmert durch.

Doch da der Schock! Das zweite Bild stimmt nicht mehr mit dem ersten überein. Eine Welt zerfällt. Das Gemüse in sich zusammen. Die Fauna hat zugeschlagen.

Das freche Hasenstück hat sich frech versteckt. Guckte in der Pfanne nicht unter dem Kraut hervor. Sondern erst als es im Teller lag, streckte es sein Rückenstück mir keck entgegen.

Nun, die Lehre daraus. Das nächste Mal wird es besser gelingen, ein verganes Mahl auf den Tisch zu bringen.

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Kunst Kultur und Verkehrsknatsch?

Ein Stück Strasse kleidet sich in Kunst

oder ist es doch nur ein Unfall und somit ein kultureller Reinfall?

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Apfel-Rodeo im Büro

Nein, kein Rodeo! Wer reitet schon einen saftigen Apfel – und will sich dabei das Genick brechen?

Sondern direkt eine Corrida! Und das an erhabener Stelle: am Arbeitsplatz, in Spanien ruedo genannt. Hierzulande heisst das Kampfrund ganz einfach Bürotisch. Keine Angst! Auf der Tischplatte wird kein Blutbad angerichtet und auch kein Apfelgepflatsche, kein Apfeladerlass und keine Zerquetschung von Äpfeln.

Das Kampffeld bleibt sauber. Der Apfel weiss sich zu wehren, wie der echte Stier. Der Apfel ist kein falscher Ochs.

Weiss leuchtet die reich verzierte capote, das Kampftuch, das den Apfel herausfordert, die Serviette, die den Schweiss des Apfels aufsaugt, wenn er tropft. Denn der Apfel blutet nicht wie der Stier rot, wie die scharfen Spitzen der Zähne kräftig in das schreiende Fruchtfleisch schlagen, sondern saftet lecker hell.

Der Kampfplatz, die Tischplatte des Büropults nachmittags um drei, ist die rühmliche Arena für den täglichen Kampf gegen den Apfel, der verzehrt werden soll. Keine Scheu vor der Natur! Bitte! Der Apfel darf nicht mit Samthandschuhen angegangen werden.

Er will geschlachtet werden. Sonst passt er nicht ins Maul.

Und vegan-freundlich ist diese Sportart absolut – auch wenn zum Abschluss der Auseinandersetzung eine Leich auf dem Pult liegt: das Bütschgi. Was auf gut Deutsch ideenlos „Apfelrest“ heisst. Die Leiche kennt noch ganz andere Namen: Gröibschi, Gigetschi, Güürbsi, Ghüüs.

Das leckere Ding „Apfel“, ist ihm einmal Hülle und Fleisch abhand gekommen, verdient eine besondere Würdigung. Sein Tod auf dem Arbeitspult hat mehr verdient als ein Abfuhr in ein abgeschmacktes, stinkendes Wörterzusammengefüge. Der Apfelgriebs gehört nicht in den Abfalleimer, aber in den Apfeleimer. Olé! Heisst die Devise der Veganer.

 

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Rückblende in den Frühling

Wie war der Frühling 2020 schon wieder?

Antwort in einigen Bildern.

Wie wird der Sommer 2020 sein?

Die Antwort folgt im Herbst.

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Christo in the street?

Unfall, Kunst oder Regenschutz?

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Unfall, gut parkiert oder Kunstwerk?

Das ist hier die Frage.

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Kunst-Parallelwelt

Verschobene Linien und Perspektiven ergeben

 

eine verschrobene Wahrnehmung der Welt und vermitteln das Gefühl von Unsicherheit und Irritation. Die Kunst entfaltet ihre Macht.

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Kuss der Muse

Der Spuk ist vorbei. Die Welt atmet auf. Der Zyklus des Kunstzirkus beginnt von vorn.

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