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Der Vergleich mit der Bar hinkt in gewisser Hinsicht. Denn die Bar bildet in den seltensten Fällen den trauten Treffpunkt für ein Stelldichein jener zahlreichen Herren und wenigen Frauen, die sich um ein öffentliches Schachfeld scharen. Letzteres und die Bar vereinigen jedoch auf sich, das sie ihr eigenes Völkchen anziehen. Der Treff am Schach und der Treff an der Bar lockt jeweils eine ganz eigene Spezies an Menschen an, die sich jedoch an dem einen Ort genauso bunt zusammen setzt wie an dem anderen.

An der Bar sitzt ein Menschenschlag, der jenem am Schachplatz in nichts nachsteht. Auch an der Bar wird ein Durcheinander gesprochen. Jeder hört jedem zu. Der Senf zum Weltgeschehen, zur Lokalpolitik, Kollegen und Kolleginnenklatsch werden munter aufgezuckert und mit Kommentaren versetzt und glasiert, die wenig bis keine öffentliche Gültigkeit besitzen.

An der Bar stehen Figuren, die, in Analogie zum Schach, herum geschoben werden. Auf der einen Seite spielt die Bardame, auf der anderen die Kundschaft. Die Infrastruktur und der Figurenpark bestehen aus Flaschen und Zapfhähnen, Kaffeemaschinen und Eiskübeln, daneben die Gläser und Tassen. Zu Beginn des Abends kann alles, was auf der Barplatte und in den Gestellen steht und hängt, klar auseinander gehalten werden. Man weiss, was und wie viel man getrunken hat. Jeder ist Besitzer seines Glases und somit Herr über seine Züge und Zunge. Wenn die Bardame dem Gast ein neues Glas zuspielt, wird dies mit einem Dankeschön quittiert. Man schätzt die Geste, die Aufmerksamkeit. Die Bardame vergilt den Dank mit einem Lächeln.

Je länger der Abend dauert, je mehr der Gläser geschoben sind, desto verworrener gestaltet sich die Stellung der Figuren auf der Bar, der eigenen, der fremden. Die Bar beginnt sich plötzlich immer mehr vom Schachspiel zu trennen. Der Geist entflieht. Springt hierhin, dorthin. Zurück. Beim Schachspiel gilt es vor allem, auch im Endspiel die Übersicht über die Figuren zu wahren. Geht diese dahin, so geht der Sieg mit.

Zumeist ist es bedeutend einfacher, die Übersicht über die Figuren und ihrer Stellung auf dem Brett zu wahren als jene über die Gläser auf der Theke. Auf dem quadrierten Feld verringert sich bis zum Endspiel zudem die Anzahl der aufgestellten Figuren, jene der gestellten nimmt zu. Das Endspiel bietet ein klares Bild.

Fortsetzung

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