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ry  Shevchenko

Der Blinde, der am Rande des Feldes steht und dem Schachspiel zu hört, wird sich vorstellen, wie die Gestalten aussehen, die zu den Stimmen gehören. Er wird sich dabei ganz gehörig vertun beim Bild, das er sich aufgrund der Stimmen zeichnet. Die Probe aufs Exempel: Man stelle sich selber mit geschlossenen Augen eine Stunde lang am Rande des Schachfeldes auf und höre hin auf alles, was da gesagt wird. Das klare Bild, welches der glückliche Besitzer des Augenlichtes von dem Tun und Treiben um sich herum gewinnt, wird sich in seinen Konturen sehr schnell auflösen. Eine andere, fremdartige Klarheit wird sich formen.

Aus der Welt, die man gesehen hat, bevor man die Augen schloss, sind einige Gesichter bekannt, welchen klar einer Stimme zuzuordnen sind. Was geschieht, wenn eine neue Stimme auftaucht? Man möchte die Augen öffnen. Ein Blinder kann das nicht.

Es lohnt sich wirklich, hin zu gehen und Schachspielern zuzusehen, die auf öffentlichen Feldern spielen – wie jener Blinde, der das Spiel nicht sieht, aber auf seinem Gang durch die Stadt am Spielfeld inne hält.

Die Analogie zu diesem Blinden stellt am Spielfeldrand jener Sehende dar, für den die Regeln des Spiels ein undurchschaubares Monstrum sind. Von Blindheit geschlagen erkennt er rein gar nichts von der Schönheit des Spiels. Die Stimmen, welche er hört, das Gesagte, kann er nicht interpretieren, weil sich ihm dieses als ein Buch mit sieben Siegeln erweist, welche ihm zu öffnen nur gelingen würde, wenn er der Ordnung des Schachs mächtig wäre.

Wenn man bei einem öffentlichen Schachspiel – nicht einem Tournierspiel, in welchem sich ein Grossmeister die Ehre gibt und gegen eine ganze Anzahl von Spielern antritt! –, sondern bei einem Spiel, das auf einem öffentlichen Grund steht, zusieht und dabei die Augen schliesst, dann stellt sich schon bald die Frage: Ist es schon wieder der Bärtige, der spricht und seine beissenden Kommentare abgibt?

Ein öffentliches Schachspiel ist eine Bar des logischen Denkens. An der Bar schenken Figuren ein und führen den Hirnzellen Nahrung zu.

Fortsetzung

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