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Das knapp gehaltene Menüblatt bezeichnete Gründer Schnaptepürä als Fleischfriedhof des guten Lebensstils. Die Esser des vielgepriesenen Menüs konnten die angesagte Magenverstimmung den Verdauungszellen des irdischen Verdauungstrakts am Ehrendenkmal des schlechten Geschmacks vorbei zutragen, auf dem als Matrone eine Marone thronte.

Das angebotene Menü war des Feinschmeckers Tod. Totenhäuseralleen durchzogen schon seit ewigen Zeiten die Friedhöfe, so dass es keiner grossen Rechtfertigung bedurfte, wenn Gründer Schnaptepürä nun eine solche in seinen jüngsten Friedhof einzog.

Der Topf, der diese ganze Marone aufnehmen sollte, bildete nichts anderes als einen Sarg. Es brauchte aber eine ganz Allee, um der Masse gerecht zu werden, die im Lokal „Wasser, Wein und Frucht“ furchtlos aufgetischt werden sollte. Ein einziges Beinhaus genügte nicht, um das ganze Geknöche zu beherbergen, das vom Mahl abfiel und wohl manchen Verächter von Fleischnahrung in die Flucht trieb.

Gründer Schnaptepürä stand für das Kleine, Übersichtliche. Seine grossen Gedankenwürfe stellten lediglich die Ausnahme dar, die nötig ist, damit die Regel in ihrer Fehlerhaftigkeit bestätigt wird und sie in ihrer Ordnung bleibt. Gründer Schnaptepürä stand für das Feine, nicht für das grobschlächtig Aufgetürmte, das wie eine Marone zur Befriedigung der niederen Gelüste herhielt. Kein Wunder, dass die Marone in den Wintermonaten ihre kulinarische Hochblüte feierte und zwar just dann, wenn der Garten wenig an frischen, duftenden Kräutern und knackigem Gemüse hergab; die Marone, welche im „Wasser, Wein und Frucht“ ihren Kulminationspunkt in der Menge fand, die nichts anderes als den guten Appetit verdarb.

Ach, gar so mancher Gast gab, gedungen durch den ausgeprägten Mangel an nuanciertem Gefühl für erlesene Feinkost, der Masse den Vorzug. Wer wirklich vom Feinsten genoss, der mied, auch wenn er in Saus und Braus lebte, die mit allerlei Speisen zu ansehnlichen Bergen angehäuften Teller. Vielmehr naschte er lediglich mit der Pinzette von den fein säuberlich über den Teller verteilten leckeren Bissen. Soweit war es mit dem neuen Lokal, das nun bald eröffnet wurde, also schon gekommen, dass man eine geballte Ladung Fressmaterial als Majestät einlud und ihr auf dem Tisch den Hof bereitete.

Fortsetzung

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