Archiv der Kategorie: Kurze Texte

Der Mords-Sommer – Spannung exquisit

@ G. Scherrer

Der Sommer begann mit einer Anfrage: Stehst du wieder als Experte für verfilmte Literatur zur Verfügung? Die Antwort „Ja“ führte dazu, dass die heissen Monate ganz anders verliefen, als ich gedacht: nämlich kriminell. Unter den verfilmten Büchern befindet sich der berühmte „Murder on the Orient Express“. Ich postete mir das Buch von Agatha Christie und – rein aus Neugier – gleichzeitig ein weiteres: „4.50 from Paddington“.

Wenn man sich auf die Arbeit als Experte vorbereitet, dann weiss man: Ich muss mich auf verschiedene Szenarien einstellen. Allgemein sagen viele unkundige Christie-Kenner, die Ägypten im Orient ansiedeln, der „Death on the Nile“ ähnle dem Orientexpress. Um mich als Experte auf Ungereimtheiten in der Arbeit der Prüflinge zu wappnen, beschloss ich also, in den zurückliegenden Sommermonaten auch die Geschichte auf dem „Nil“ zu lesen – mit der Folge:

Wieder einmal hat mich das Agatha-Christie-Fieber gepackt. Dies trieb mich dazu, nach der Nilfahrt zum Londoner Bahnhof Paddington zu greifen. Der Buchdeckel machte mich darauf aufmerksam, dass es sich um eine Miss-Marple-Geschichte handelt. Ich sagte mir sofort: Das lass ich mir nicht entgehen! Ich prüfte, ob es sich beim „Paddington“ um den ersten Marple-Auftritt handelt. Dem ist nicht so! Jane Marple trat über das Buch „The Murder at the Vicarage“ in die Weltliteratur ein. Die übrigen Marple-Stories sicherten ihr den festen Sitz im Olymp der Literaturgeschichte.

Mich nahm es selbstverständlich wunder, wie Agatha Christie ihre Miss Marple in die Literatur einführte. Jene, die damals, als das Buch erstmals erschien, den „Mord im Vikariat“ lasen, wussten nicht, welche Rolle die Autorin ihrer neuen Figur beimass. Heute wissen wir es. Ich las das Buch darum aus einer ganzen speziellen Spannungsperspektive: Wie wird Miss Marple werden, was sie geworden ist. Jetzt weiss ich es – und ich weiss auch: Der Sommer hat sich gelohnt.

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Das Klima

Turnabout the world

from #996 to #537

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Die Seidenstrasse

© Georges Scherrer

 

Die Zahl aller Zahlen ist die Neun
996 wendet des Chinesen Wirtschaft
So wie die 666
Auf den Kopf gestellt
Des Teufels Mume wird
911 küsst das Ende der Welt

 

Nine To Nine six days the week
Lautet Chinas frische Demut
Arbeit der Welt neue Ordnung
Kommt über die Seidenstrasse
Spinnt neue Fäden
Um die Welt
#996

 

Wer jammert über die neue Weltordnung
Die Drei der Neun einziger Teiler
Setzt den Schluss
Erkenntnis Wandlung Genuss
Die Null ist das Nichts
Die Neun das Ende
Dazwischen als Dreisatz keimt
Chinesischer Drill

 

Mathematik!
Seltsame Zeichen seltsame Rechnungen
Transformieren den Geist
verwirren die Erkenntnis
Dennoch sei die Formel genannt
Die alles Werden Wirken und Vergehen
Bestimmt

 

111=3×1=3×3=9
222=3×2=6×3=18=1+8=9
333=3×3=9
444=3×4=12=1+2=3×3=9
555=3×5=15=1+5=6×3=18=1+8=9
666=3×6=18=1+8=9
777=3×7=21=2+1=3×3=9
888=3×8=24=2+4=6×3=18=1+8=9
999=3×9=81=8+1=9

 

Wer aus den Zahlen die Wahrheit liest
Macht der Macht den Garaus
Und auf der Strasse der Raupe
Die über die Seidenstrasse zieht
Die der Fuss zertritt

 

© G. Scherrer

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Aufstrebendes Gemüse

Ein Blumentopf ist schon was Wunderbares. Meinen Füller habe ich zwischen die Pflanzen gesteckt und über Nacht sind mir daraufhin neue Ideen für meinen Blog erwachsen. Seitdem benütze ich den Blumentopf als Inspirationsquelle. Ein Hexenkessel ist rein gar nichts dagegen.

Heute Abend werde ich mein Laptop zwischen die Blumen quetschen. Mal sehen, was der Topf mir in diesem Fall an neuen Ideen zustecken wird.

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Nachtgedanken

Die lange Sommerabende können bis tief in die Nacht hinein führen. Sobald die Sonne untergegangen ist, gehen neue Lichter an. Ihr Schein weist die die physische Strahlkraft jenes Sterns auf, der die Erde im Tagestakt aus dem Dunkel ins Helle herausholt und ins Schwarze wieder hinab senkt.

Hier ist die Rede von einem Licht, das für den Menschen gleichbedeutend scheint wie die Sonne. Der Mensch wäre ohne all das, was er spricht und schreibt, nichts mehr als eine Blume oder ein Tier, das ohne Erinnerung vor sich hin lebt und bei Bedarf weg gesteckt werden kann.

Da lobt sich das Klügste aller Geschöpfe seines Griffels, der ihn durch die Nachtstunden begleitet und aufschreibt, was den Tag erleuchtet – heller als die Sonne, die manchmal nur trübe in das Gemüt des Menschen strahlt, wenn er für einmal wieder in Schwermut sinkt.

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Sand in die Augen der Leute

Wie üblich hat es an einem G20-Gipfel wieder einmal gehörig gekracht. Protestiert wurde, diesmal in Hamburg, mit dem Presslufthammer, so dass Worte und Argumente nicht mehr gehört werden konnten. Geschuftet wurde in den Strassen der Hansestadt, als ob Palmyra und Bamiyan gleichzeitig dem Erdboden gleich gemacht werden sollten.

Viel Sachschaden, Straftaten und Verletzte werden beklagt. Es lässt sich aber sagen: Die Organisatoren des G20 sind selber schuld, wenn sie das Treffen in einer Grossstadt organisieren. An einem solchen Ort ist viel Material vorhanden, das kurz und klein geschlagen werden kann.

Das nächste Mal sollte dieses Treffen in der Wüste stattfinden. Dort könnten die Demonstrierenden unter dem Schutz der Polizei die Wüste demolieren und in Schutt und Asche legen.

Die Sandstreumühle

Diese wüsten Wüsten-Szenen werden die Öffentlichkeit allemal schockieren, denn keine Botschaft ist besser verkündet, als wenn sie in den Sand gebaut wird. Der Rauch der Petarden wirbelt auf und auch der Sand, wenn die Protestmaschinerie durch diesen wühlt. Der Rauch löst sich auf, der Sand setzt sich wieder. Hamburg und die Wüste Gobi finden auf diese Weise bestens zusammen. Hie wie dort können sich die G20-Gegner ein tolles Denkmal setzen, dessen Botschaft heisst: Vom Winde verweht.

Derart den Menschen Sand in die Augen gestreut, unterscheidet sich wesentlich vom gesetzten Ziel, „Sand im Getriebe“ der aktuellen Politik und Macht der Herrscher zu sein. Die gewaltigen Sandstreumühlen der G20-Gegner erweisen sich vielmehr als ein probates Schlafmittel, um beim Thema G20-Protest geruhsam einzuschlafen und danach wieder aufzuwachen, als ob nichts gewesen wäre – nach dem bekannten Motto: „Viel Lärm um nichts“. – Liu Xiaobo schaufelte nicht Rauch.

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Träume, die wahr werden

Aus aktuellem Anlass drängt sich die folgende Erweiterung im Teil sch-ach-tm-Hand auf:

 

„Heute geht er in die Reithalle. Träume, die den Kopf verdrehen, werden manchmal wahr. Gespenster, die den Menschen verfolgen, gehen. Plätze schreiben die Geschichte neu. Als hätten sie den Ruf von Boy Cott gehört, der sich immer wieder als Rufer in der Wüste sieht, auf einmal aber erhört wird. Das Tragen des Namens lohnt sich. Die Markthalle, deretwegen er den Namen trug, wird wieder eröffnet. Der gesellschaftsfeindliche Investor fiel auf die Nase. Das Gastrecht der Gastfreundschaft hält wieder Einzug in dem wunderbaren Ort. Solches Geschehen erinnert an ein Märchen, das in Erfüllung geht.“

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Der Präsident und sein Volk

Aus aktuellem Anlass sei auf eine Textstelle in Sch_ach hingewiesen, die leicht erweitert wurde. Es geht um den Streit zwischen Jan Böhmermann und einer Gestalt, die hier nicht namentlich genannt werden soll. Nicht das Recht, aber der Anstand verbietet es.

Schafe für den Schlachthof | pixabay vbidasoro CC0

„Die aus einem Text gestrichenen Wörter nehmen einem Roman seine Schlagkraft und betrügen die Menschheit um ihre Geschichte. Die Puristen klittern sie um. Die Sklaverei kann von neuem beginnen.

Heute sind wir wieder so weit, dass Namen lebender Politiker unter Denkmalschutz gestellt werden, sodass sie der harschen und bissigen Kritik der Satire entzogen werden. Die Sprache wird ihrer Tiefgründigkeit beraubt und auf die einfache Oberfläche der Scheinheiligkeit gehievt, auf die Ebene diplomatischer Sprache zu Lasten der Menschenrechte einzelner Individuen und Völker. Wer die Sprache ihrer verschiedenen Ebenen beraubt und Kunst und Literatur ihrer Möglichkeiten entmündigt, ebnet Diktatoren den Weg. Das Verbot des ‚Schmähgedichts‘, seine Indexierung durch westliche Demokratien, als wären sie selber die vatikanische Zensurbehörde in Person, bildet nicht den roten Faden eines konsequent politisch freiheitlichen Handelns, sondern das Auslegen eines roten Teppichs für eine Person, die man wahrlich nicht ‚Präsident‘ nennen kann, sondern die sich als Wolf am liebsten ein Volk aus Schafen hält.“

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Ausfall

Aufgrund der aktuellen Grosswetterlage, die Mitteleuropa endlich die Sonne bringt, unternimmt http://www.sch-ach.ch einen Ausfall in die Natur und fällt somit für eine kurze Woche aus. Es soll nun aber nur niemand fragen, wie lange eine lange Woche dauert. Alles ist Gefühl.

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Kunst ist das Gegenteil von Geiz

Kurz und bündig gesagt:

Kunst ist das Gegenteil von Geiz.

Alles Weitere steht in Sch_ach.

 

 

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