Archiv der Kategorie: Kurze Texte

Kunst ist das Gegenteil von Geiz

Kurz und bündig gesagt:

Kunst ist das Gegenteil von Geiz.

Alles Weitere steht in Sch_ach.

 

 

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Das Unwort des Jahres 2013: Zeitverlust

Das Schweizer Staatsradio SRF spricht in den Verkehrsdurchsagen neustens von „Zeitverlust“, wenn der Verkehr wegen eines Staus steht. Vermutlich klingt in dem Wort der Wunsch nach noch mehr Autobahn und Autos mit. Der freie Bürger will freie Fahrt, wenn er vom Gotthard in die verstopften Städte hinab donnert und dabei auf einen Stau auffährt. Von „Verlust“ kann dabei sicher nicht gesprochen werden. Der stehende Kompatriot nimmt wenig gescheit in Kauf, dass er Zeit für das Stehen im Stau aufwenden muss. Es entspricht aber ganz einfach der Dummheit, wenn man dorthin fährt, wo ein Stau zu erwarten ist, also nicht einem Verlust an Zeit, sondern einem Verlust an Gescheitheit. Der Sender würde besser von einem „Dummheitsquotient 15“ reden. Der Fahrer wüsste dann, dass die Wartezeit im Stau 15 Minuten dauert.

Es braucht diese gewisse Dummheit, um das Auto zu nehmen und sich dann die Augen zu reiben, wenn man in diesem Staut steht, von dem man schon im Voraus weiss, dass es ihn gibt. Eine Dummheit, die von der staatlich sanktionierten Rundfunkanstalt übernommen wird. Welche Wohltat, wenn das Auto dann über die Staatsgrenze in das nördliche Nachbarland hinüber rollt und aus den Lautsprechern munteres Deutsch erklingt, das sich während der Verkehrsdurchsagen über alle parteipolitischen Stellungnahmen hinweg setzt. Bleibt man hingegen in der Eidgenossenschaft, so kann man wenigstens auf den Sender Swiss Classic des Staatssenders umschalten. Oder auf einen Internet-gestützten Rocksender. Auf diesen Wellenlängen wird kaum gesprochen. Eine Wohltat. Und keine Verkehrsdurchsagen.  Man geht diesem Unwort so aus dem Weg.

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blog novel unplugged

BNU (blog novel unplugged)

Der englische Begriff unplugged stammt aus dem Musikbetrieb. Eine Musikgruppe verwendet diesen, wenn sie ihre Stücke unverfälscht von der Bühne zum Publikum hinüber tragen will. Die Band verzichtet auf Filter, die Musik soll möglichst original tönen. Verzichtet wird etwa auch darauf, die Musik während eines Konzerts ab Band zu spielen. Bekanntlich wird in Grossveranstaltungen zuweilen eine Studioaufnahme ins Konzert eingespielt, damit der Ton reiner durch die Lautsprecher klingt. Der Künstler braucht dann nur noch die Lippen zu bewegen und sich auf die Show zu konzentrieren. Das Konzert wirkt. Im Extremfall kommt es sogar vor, dass die Stimme, welche aus den Lautsprechern kommt, nicht identisch ist mit jener der Sängerinnen und Sänger auf der Bühne. Die Sinnestäuschung ist vollkommen. Entsprechend sinnlich verhält sich dagegen der ungepluggte Auftritt einer Musikgruppe.

Übertragen auf den Literaturbetrieb heisst das: Eine Geschichte (engl.: novel) wird ohne die Filterung durch ein Lektorat oder einen Verlag veröffentlicht. Nicht der klinisch gereinigte Text, welcher der aktuellen Formsprache angepasst wurde, erscheint auf dem Bildschirm. Vielmehr ist es quasi der Urtext, den der Leser zu Gesicht bekommt.

Die „blog novel unplugged“ – kurz: bnu – entspricht zudem dem Geist des Internets, der gewisse Freiheiten zulässt und eine gesunde Frische gewährt. Die „blog novel unplugged“ ist ständig im Zustand des Entstehens – so wie dieser Text, der möglicherweise bald wieder eine Änderung erfährt. ©

 

 

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Das Out der Maus

Andere führen einen Hund, ich eine Eule. Sie ist überaus intelligent. Während andere Tiere ihre Zeit damit vertun, nach Beute zu jagen oder zu scharren, sitzt die Eule auf ihrem Ast und denkt. Dann, wenn sie sich aufmacht, um ihren Hunger zu stillen, öffnet sie die Schwingen und holt sich aus dem Dunkel eine Maus, die sich zu sehr von ihrem Laptop entfernt hat.

Nach der Mahlzeit kehrt sie zurück und blickt wieder hinaus in jene Fernen, welche die Phantasie erschliessen. Mit grossen Augen schaut die Eule in diese Welt hinein und ich mit ebensolchen. Unsere Blicke gehen nebeneinander her und machen die Nacht zum Tag.

Meine Eule hat eine grosse Qualität. Wenn ich meine Beute aus der Welt der Phantasie einfahre, schweigt meine Begleiterin und schreckt die Phantasie nicht, so dass sie zusammenzuckt und zergeht, bevor sie aufs Papier gebracht ist. Und das Beste an meiner Eule ist: Wenn sie ihre Augen schliesst, ist auch für mich der Zeitpunkt gekommen, mit dem Schlaf loszulegen.

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Zeitgewinn durch Sport

Schweizer fahren zwei Autos, weil sie sportlich sind. ‚türlich, auf dem Weg zur Arbeit treibe ich Sport. Auf dem Weg zur Arbeit gibt es eine Brücke. An deren Pfeiler befindet sich ein Klettersteig. Mit dem einen Auto fahre ich bis zur Brücke und parke es dort. Dann begehe ich den Klettersteig. Auf der anderen Seite des Flusses klettere ich wieder zur Strasse hinauf und steige dort in das andere Auto. Auf diese Weise brauche ich nicht über die Brücke zurück zu gehen, um das Auto zu holen, sondern kann sofort weiterfahren und gewinne Zeit.

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Grammatik

Der Zug fährt in eine Kurve. Auf dem gleichen Geleise kommt ebenfalls mit hoher Geschwindigkeit ein Zug entgegen. Welches ist daraufhin der richtige Gedanke des Reisenden:

„Das war das Ende des Lebens.“

Oder:

„Das ist das Ende des Lebens.

Oder:

„Das wird das Ende des Lebens:“

Shit

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Die Frau auf Seite zwei

Der Espresso macchiato ist eine Zeiteinheit. Diese hat genau die Dauer, die es braucht, um das Seite-zwei-Girl in der „Neuen Zürcher Zeitung“ zu lesen. Diese auf Seite zwei der Zeitung untergebracht Kolumne ist leicht und süffig wie das Original aus Fleisch und Blut auf Seite 2 im  „Blick“, dem schweizerischen Spiegel des deutschen „Bild“.

Die grau unterlegte Kolumne lese ich selbstverständlich nicht wegen des Inhalts, sondern um zu überprüfen, ob die Messeinheit Espresso macchiato nach wie vor ihre Gültigkeit hat. Und ich habe festgestellt: Sie ist sowohl in der Bar, wo ich meinen Espresso macchiato trinke, wie auch im Blatt, das ich dabei studiere, eine Konstante.

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Flügellahme Schweiz

1903 hoben die Brüder Wright mit einem Gestell aus Gestänge, Motor und Propeller vom Boden ab und sicherten sich damit den Ruhm als erste Motorflieger. Die darauf massiv einsetzende technische Entwicklung im Flugzeugbau sorgte für immer grösseren Schub. Heute, wer hätte das vor hundert Jahren gedacht, starten Flugzeuge von über 500 Tonnen.

In nächster Zeit will der Westschweizer Bertrand Piccard mit einem Fluggerät, das von seiner Zerbrechlichkeit her an den wrightschen Flugapparat gemahnt, die Erde umfliegen. Als Energiequelle dient ihm allein die Solarenergie. Die Initiative ist wegweisend. In ihr steckt extrem viel Potential. Wenn man das Fluggerät weiterentwickelt, wird es an Gewicht zunehmen. Nur fehlt es dieser Initiative in der Schweiz an Schub. Zudem hängt an Piccards Flugzeug „Solar Impuls“ der schwere Ballast der enormen Kosten für Kernkraft und deren Sicherheit.

Bis vor einiger Zeit spielte die Schweiz in der Solartechnik in der 1. Welt-Liga mit. Dann besann sich das Land eines Besseren und schaltete bei der alternativen Energie auf „zögerlich“. Bei der Atomkraft ging es hingegen auf „Schub“, um in die Endlosspirale um die Sicherheit der Atomanlagen einzusteigen, einsichtig der Gewissheit: Alle zwanzig Jahre putzt es ein AKW.

Eine ‘unglückliche Verkettung von Ereignissen’ sorgt dafür, dass dieser Rhythmus eingehalten werden kann. Die nach ‘menschlichem Ermessen’ an ‘Sicherheit grenzende Wahrscheinlich’, dass es nicht zu einem A-Unfall kommt, verkehrt sich dabei in ihr Gegenteil und wird zur Wahrscheinlichkeit, dass der nächste Kernkraftwerkkollaps mit Sicherzeit stattfinden wird.

Es ist Frühling, die Windräder drehen sich im Wind. Ach, wie schön wäre es, wenn man hierzulande von einer „Solar Impuls“ als Experimentalflugzeug träumen könnte, das sich in die Luft erhebt und der Schweiz einen neuen Weg als Industrieland in die Zukunft bahnt.

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