sch-ach-zzzj-Gewissensfreiheit

zzzj Gewissensfreiheit

 

Rudimentäre Regeln führen dynamisch zum schönsten Spiel. Zu feste Regeln sind statisch.

Wir stehen wirklich vor einem sehr heiklen Problem. Nadja fühlt sich überfettet und schön übergangen: Ihr Dessert präsentiert sich nicht ihrer Taille angemessen, trumpft nicht als Seelenkaviar auf, sondern kommt als abgeklatschter Dessertfusel daher. Du, Kurtfürst, plädierst für eine straffe Ordnung. Sie bestraft aber jene, die zu kurz kommen, weil ihnen dein Würfel einen Strich durch ihre redlich vorgebrachte Kritik an deinem Regelschabernak macht. Deine allmächtige Ordnung drückt ihnen aufs Gemüt und verdirbt ihnen so den Appetit auf das wohlverdiente Dessert. Das entspricht nicht den Freuden, zu welchen ein Spiel führen soll. Es entspricht nicht den Freuden des Weins, für welche dein Wirtshausschild wirbt, sondern gibt vielmehr einem Gefühl Vorschub, das dem Begehren nach Weinen entspricht und zwar nicht jenen, die man und frau aus Gläsern in sich hinein schütten, sondern das tränenreich aus den Augen fliesst.

Ja, ich beginne jetzt gleich zu heulen.

Genau das wollte ich mit meinen soeben geäusserten Darlegungen ganz präzis zum Ausdruck bringen. Ich sehe mich darum schier gezwungen, in Nadjas Klage ein zu steigen und mit zu lamentieren und damit ganz klar, so klar, wie Kurts Regeln kurz und bündig für strikte Rigidität stehen, in ihr Leid und Elend mit ein zu steigen. Mein Tiramisu trägt einen stolzen Namen, in welchem Maronenmousse leichtfüssig mitklingt. Der lockere Schaum teilt auf diese edle Weise mit Nadjas Marone die Hauptingredienz dieses Abends. Das ist aber auch schon alles! Nadjas Marone kommt so klein, bescheiden und schlicht daher, dass sie diesen stolzen Namen Marone im Kreis unserer auserlesenen Maronenkompositionen nicht verdienen kann. Im Namen liegt jedoch die Erlaubnis zum Tausch. Mir tut es um mein Tiramisu leid, das vor Scham zergehen muss, kommt es neben Nadjas Marone zu stehen. Mir tut es um mein Tiramisu leid, wenn ich sehe, womit sich Nadja zufrieden geben muss. Denn ich darf nicht zu schlagen, meine süsse Mascarponeschnitte anstechen, der Anstand verbietet mir das, sehe ich Nadjas bitteren Dessertdilentantismus.

So dürfen wir Nadja nicht sitzen lassen.

So dürfen wir ihr Dessert nicht stehen lassen.

Wie sitzt der Stand der Dinge?

Was sollen wir tun?

Teilen und nach dem Vorbild von Schach und Wissenschaft unser eigens Begehren etwas zurück stellen.

Von deren Begehrlichkeiten haben wir genug gehört. Die Wissenschaft hat uns eingeheizt. Wir haben sie auf eine kleinere Flamme gestellt. Die Wissenschaft dient uns nicht zum Vorbild. Sie gebärdet sich einfach zu unersättlich oder wie es so schön in einem Poem heisst: Ungesättigt gleich der Flamme.

Eine klare Radikale, die mit ihren flackernden Auslegern vorwitzig und unartig ständig mehr Terrain für sich einnimmt. Für einmal, das schlage ich vor, nehmen wir uns ihr Ungestüm zum Vorbild. Wir wollen anwenden, was wir in der heutigen Kinderstube gehört haben.

Wo zielst du hin?

 

Fortsetzung

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