sch-ach-zyg-entlarvend

zyg entlarvend

 

Aber, mein lieber Kaspar, so kenne ich dich gar nicht. So unphilosophisch gierig auf einmal. Diese coole Seite an dir ist mir ganz neu. Sonst kommst du immer wunderbar distinguiert daher und nun auf einmal so draufgängerisch und geleitet vom Begehren, das in seiner Wucht sogar mich in Unruhe und Neugier versetzt. Mir wird von mir selber gar Angst und Bang, wenn ich daran denke, dass ich dir dabei beobachten kann, wie du dich auf das Dessert stürzest. Diese deine Wildheit könnt mich sogar dazu bewegen, mich selber auf das Dessert zu werfen, um es vor dir zu schützen, nicht aber mich. Deine Leidenschaft ist Feuer für mich. Diese Flamme würde ich für mich reservieren und auffangen wollen. Für dich dürftest du brennen wollen, aber nicht für das Dessert. Wenn schon was auskosten wollen, dann mich! Aber nicht den Zucker, der auf dem Speiseteller steckt.

Ja, Arigia, ich lobe mir deinen Einwand. Gier und Begehren, das sind die beiden richtigen Worte, um das abzustecken und zu benennen, was uns dreien widerfährt, die noch ganz ohne Dessert sind.

Meine Freunde und Freundinnen, fährt Kunigunde dazwischen, das mit diesem Begehen gestaltet sich gar nicht so geradlinig aus, als dass man es einfach mir nichts, dir nichts mit Gier übersetzen und beides in den gleichen Bedeutungstopf setzen kann. Beim Begehren spielt noch einiges mehr hinein als reine Gier.

Begehren ist ein umständliches Wort, meint Janie. Es kommt in Klumpfüssen daher. Ich rede lieber von Liebe und weiss, was ich damit meine. Meine Liebe zum Dessert ist unermesslich.

Tack! Der Würfel fällt auf die Eins. Obenauf glänzt die Sechs. Kaspar ist am Zug. Seine Hand greift nach dem Service mit dem Maronencocktail: ein relativ flaches Kelchglas, das lediglich eine einzige unserer geliebten Baumfrüchte enthält, ein Glas Bourbon, in einem Schälchen zwei Orangenschnitze, in einem weiteren eine Cherrytomate und eine eingelegte Kirsche – alles angerichtet auf einem kleinen Tablett, das Kaspar nun genüsslich zu sich zieht.

Da waren’s nur noch zwei, kommentiert Arigia sarkastisch, Nadja zugewandt. Sie greift nach dem Würfel und meint: Da wollen wir mal sehen, wem die bittere Marone und wem das Farbenfeuerwerk zufällt. Sie wirft den Würfel.

Zwei Dessert bleiben, zwei Spielfelder, auf denen sich die Gedanken und Wünsche ausbreiten können, schiebt Kunigunde in das Gespräch ein.

Fortsetzung

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