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Ich blicke perplex vor mir auf den Tisch, auf den Schwedenkuchen, den ich noch nicht angerührt habe. Diesen teilen mit Nadja? Kommt nicht in Frage!

Das Gespräch geht munter weiter.

Du tust gut daran! Wenn wir uns jetzt tatsächlich noch wegen deines Desserts in eine politische Debatte einlassen müssen, an der wir uns alle beteiligen, dann sehe ich für diesen Abend schwarz. Dann gute Nacht. Sollte eine solche widersinnige Aktion eintreten, die wirklich nicht als Zuckerguss auf das Dessert passt, dann kannst du das Dessert für den heutigen Abend abschreiben. Wir sind, sofern ich bei der Vorbereitung meines Beitrags für die Diskussionsdebatte richtig gezählt habe, ganze fünfzehn Leute, die mit reden wollen. Das tägliche Dessert ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens, eine angenehme Auszeit, die ich nicht missen will. Darüber, über deren Erhalt, alles, was man tun muss, damit uns diese Atempause im Leben, nicht nur das einzelne Stück, sondern die ganze Dessertpalette nicht gestohlen wird, könnte ich stundenlang reden. Denn das geht alle an, ein gesundes Dessert. Da wollen alle mitreden, erklärt Janie.

Mitreden: Ja! Mein Dessert mir stehlen: Nein.

Nun, meine liebe Freundin. Demokratie besteht aus dem Austragen von Mehrheitsentscheiden. Gehörst du der verlierenden Minderheit an, dann musst du in das saure Dessert beissen, das heisst nehmen, was dir gegeben wird. Wie du siehst, ist die Demokratie ein brutales Element für jenen, der nicht auf der Seite der Mehrheit sitzt, sondern vorlieb nehmen muss mit dem, was ihm als Dessert bleibt, sagt Kunigunde.

Während des ganzen Geredes über die Demokratie rollt der Würfel unablässig weiter. Jetzt setzt er wieder eine Sechs. Diesmal trifft es meine beste Freundin.

Auswahl steht ihr noch zur Verfügung. Sie überlegt aber nicht lange, sondern stürzt sich schnell entschlossen auf den Mascarpone-Schokolade-Maronen-Turm, den zu nehmen sich erstaunlicherweise noch niemand entschieden hat. Der Transport von der Dessertplatte hinüber auf die Tischstelle vor der Bestellerin erweist sich als sehr heikel. Das grazile Stück könnte umstürzen.

Wenn der jetzt umstürzt, meine liebe Nadja, dann hast du ein Beispiel dafür, was mit jenen geschieht, welche sich der Diktatur verschreiben und nicht die Demokratie wählen.

*

Jetzt bringen die noch Dessert und Demokratie zusammen. Die Diskussionen werden nie enden. Es ist an der Zeit, dass unser Ruf zur Ordnung lauter wird. Du musst endlich den Würfel in die Hand nehmen und dafür sorgen, dass er die letzten Sechs wirft. Es muss zu unseren Gunsten vorwärts gehen. Sonst kommen wir nie zum Zug.

Fortsetzung

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