sch-ach-zxe-Jan

zxe Jan

 

Der Tod fährt mit kribbelnder Hand mit. Auf Armeslänge nur streift die nackte Wand in rasendem Tempo vorbei. Der entgegen kommende Zug auf dem eigenen Geleise! Nicht auszudenken, wohin die Reise in einem solchem Fall führt. Das enge Tunnel verstärkt den klammen Griff ums Herz. Der Crashflug, der in der Wand endet. Die Fahrt ist das Ende. Daran erinnert der Tunnel mit seinem giftigen Unterton, der durch die Fenster von aussen in den Rumpf des eilenden Menschenmassentransports dringt. Unaufhörlich. Ohne Widerhall im Leben. Nur als Hall im knappen, rollenden Raum, an den sich wie eine giftige Ranke die Mahnung an das Ende klebt. Von der Einfahrt an! Und sagt: Der Tod bringt das Ende.

Ein schweres Atmen weht durch den Tunnel, der nicht von den Leuten im Rumpf stammt. Ein Tunnel ist ein langer Körper, der stöhnt. Das Blut gefriert und gerinnt in Angst. Ob trunken oder tot, die Fahrt gestaltet sich für das Kind der Zeit, das sich in blindem Vertrauen in die blasse Welt der Tunnelunterwelt einlässt, als eine Reise in einen Raum mit geschlossenen Türen.

Das Gefährt, das mehr Fahrt aufnimmt und unverwandt vorwärts strebt, schiebt und schneidet die gestaute Luft auseinander. Durchbricht in rasender Folge die starke Wand, die der Tunnel in einem fort vor sich aufbaut. Weil der Tunnel durch den engen Schlund die Luft nicht hinaus kriegt, schiesst die Lok kampferprobt fortwährend in die vor ihr gestaute, keuchende Masse. Der weiter dröhnende Flieger bohrt seine Nase resolut in die Vorräume der Schallmauer, drängt die Luft auseinander. Willkommen in der Maschine!

Der Reisende steckt in der Pipeline fest, ausgefüllt mit Zeit, die nicht vergeht. Die Wagenwände verwandeln den bleiernen, stockenden Atem in einen bewegungslosen Gleichton, den der Zug als schrillen, rollenden, akustischen Ballast mit führt. Der Reisende hört die Stille heulen, und der Zug rast unaufhaltsam voran. Der Atem der Lokomotive reisst die anderen mit. Der Tunnel ist das Reich des ewigen Verlierers. Ihm perlt der Schweiss von der Stirn. Alle wissen, wo sich die Notbremse befindet. Niemand zieht, von allen gottverlassen, in der Luft, im Tunnel den Griff. Die Not macht Angst. Das Gefährt wird nicht stoppen. Im Tunnel springt niemand aus dem fahrenden Zug. Es gibt keine Möglichkeit zu bremsen.

Fortsetzung

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