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zxb Budgetgerecht

 

Der Platz im Rumpf des Langstreckenfliegers wird enger, Stunde um Stunde. Minute um Minute schrumpft im Zug der Raum, den der Berg dem Reisenden lässt. Ein unangenehmes Gefühl wächst mit jedem Sprung des Zeitzeigers an der Uhr, breitet sich mit der länger werdenden Distanz lästig aus; nimmt zu in der sich verengenden Druckkammer, welche die Leute dicht zusammen hält, eingeschlossen wie der Hund im Transportkäfig. Die nahe Wand vor der Nase, sonst nichts.

Dumpf schlägt der Hammer des Rollens von den Geleisen in den Wagenkasten. Das duldsame Gemüt, der technischen Gewalt anheim gestellt, verarbeitet den bedrängenden Laut schicksalsergeben. Verwandelt das Wageninnere selber zur Röhre, zur immer mehr beengenden, kopfpressenden Kunststoffschachtel, hoch oben im leeren Firmament, tief unten im Berg.

Da kann der Passagier nur noch gerade stehen und klein beigeben. Siebenundfünfzig Kilometer lang währt die Fahrt durch den Gotthard. Massen von Fels drücken auf die Stimmung des Reisenden. Die Organe, die mit reisen, stehen die Drangsal aus. Die Organe, die da sind: Das Gehöre, das Gemüt, die Psyche, das Herz. Die Fahrt gestaltet sich nicht frei von bedrückender Aussicht. Eine Wand donnert ohne Unterlass vorbei. In Reichweite der Hände. Die Hand hinaus – und weg sie ist. Gepackt von der Urmaterie Stein. Die Luft wird hart. Die Scheiben, ohne Klarblick, vermitteln wenig Vertrauen. Genauso viel wie die karbone Hightech-Bordwand eines Flugzeugs; der Boden, unter welchem der schwebelose Schlund folgt, öffnet sich kilometerweit.

Draussen dröhnen die Motoren, heult der Wind. Wehe, wenn die Triebwerke stillstehen. Dann sagt keiner mehr was. Die Scheibe bricht.

Der Tunnel dringt wie einbrechendes Wasser ins Innere des Wagenrumpfes und verschlingt alles, was sich im Zug befindet; was sich unbedacht ins endlos lange Loch begab. Das Grab mitten im Berg. Das Leben kommt selber als Tunnel daher. Ein schwarzes Loch. Der Tag erhellt dieses für eine kurze Zeit, die Nacht, hingegen als das ursprüngliche Element der endlosen Höhlung, holt den vorübergehenden Glanz in die Schwärze zurück. Die Tunnelwand kann jederzeit einbrechen. Der Mensch ist wieder Fracht. Eingepfercht. Ohne Aussicht. Keine Freiheit. Meilenweit. Die Strecke wächst. Läuft mit der Zeit mit. Zieht diese in die Länge. Unendlich. Die Dauer wird zum Fels. Undurchdringlich. Fest. Ein Tunnel, der einen Menschen gepackt hat, auch hoch oben in der Luft, lässt diesen nicht mehr los. Wirft ihn herum. Wirft ihn hinunter.

Fortsetzung

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