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Dennoch darf die Leistung der Leute von damals, trotz aller Bewunderung für das Vollbrachte, nicht überschätzt werden. Vielmehr ist es nötig, zurück an den Beginn zu gehen, dies aus Verehrung für die Drahtzieher und Errichter der künstlichen Adern, welche durch die Gegend von Carnac gelegt wurden, um möglicherweise doch dem auf die Spur zu kommen, was sie begonnen haben.

Denn zu Beginn stand in dieser Ebene kein Stein. Ob ein Wald oder eine Wiese, Weideland die Fläche bedeckte, ist unerheblich. Ebenso die Frage, ob Wald gerodet werden musste. Die Baumstämme hätten möglicherweise als Rollen dienen können, über welche die Steine gezogen und geschoben wurden. Das bleibt aber reine Spekulation, wie vieles um Carnac.

Die Führerin durch die Reihen von Carnac wird auf derartige Überlegungen und Fragen nicht eingehen, sondern, einmal mehr mit ihrem feinen Lächeln, gelassen erläutern und erklären, dass die Arbeiten von solchem Umfang den Boden nachhaltig beschädigten, so dass über Jahre hinweg dort kein Wald mehr wachsen konnte. Wenn der Dame zu viele Fragen gestellt werden, wiederholt sie sich zuweilen. Sie erweist sich aber als äusserst geduldig, wenn sie mit den Touristen unterwegs ist. Das haben gute Touristenführerinnen und Touristenführer an sich.

Es fällt auf, wenn man von Carnac her in die Reihen hinein wandert, dass es sich bei den gewaltigen Steinkolossen nicht um eigentliche Menhire handelt, so wie sie im klassischen Sinn interpretiert und im gallischen Dorf der Unbeugsamen tailliert werden. Vielmehr besteht die Mehrheit der Kolosse aus Steinplatten, die, so wird die Führerin freundlich erklärt, in jenem Zustand aufgestellt wurden, wie sie auf dem Boden oder aus diesem heraus gelöst worden waren. Die Führerin korrigiert einen Fragenden: Nein die Steine sind nicht behauen, sondern in ihrem Naturzustand belassen. Sie wurden demnach nicht von weit her heran transportiert, wie dies bei anderen Menhiren der Fall ist.

Steckte hinter dieser Naturbelassenheit eine Absicht? Oder erwies sich ganz einfach der Aufwand als viel zu gross, um eine derartige Menge von Steinen vor ihrem Aufrichten auch noch zu behauen und sie in eine andere geeignete Form zu bringen als der ursprünglichen? Welche Form? Dachte der Mensch von damals bereits so weit, dass er entschied, nicht nur die Anlage nach seinem Willen zu formen, sondern auch jedem Stein seine naturgegebene Form zu lassen? Was hinderte den Carnacen daran, die künstlerische Umgestaltung jedes einzelnen Steins in Angriff zu nehmen? Eine bestimmte Idee.

Die durchgestylte, geradlinige Konstruktionsweise entspricht einem moderneren Denken. Babylon und Persepolis wurden nach diesen Vorstellungen gebaut. Doch die beiden archaischen Städte entstanden Jahrtausende nach Carnac. Carnac reicht zeitlich weiter zurück.

Fortsetzung

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