sch-ach-zuq-beim

zuq beim

 

So gesehen ist der Dolmen verglichen mit dem gut strukturierten Friedhof ein Gebilde, das nichts anderes als Unordnung ausstrahlt, auch wenn er durch seine klar abgegrenzten Ausmasse so etwas wie Ordnung suggeriert, weil er überblickbar ist; mehr aber nicht. Er liegt wie eine gewaltige, drohende Masse in der Wildbahn, wie ein schlafender Dämon im Dämmerlicht.

Der Stein besiegelt das Schicksal des Toten – oder in heutigen Worten: Deckel drauf, die Sache ist erledigt. Ein Kreis von senkrecht stehenden Steinplatten umstellt das Grab und schützt dieses vor Wind und Wetter; die Klappe drüber, die alle von oben kommende Unbill ab hält, zudem zu: Der Schutz ist vollkommen. Nichts geht rein, nichts geht raus. Die Sicherung durch das Rund schliesst alles ein.

Die Friedhöfe folgen mit ihren klar gezogenen Linien einer anderen Ordnung, sofern Ordnung allumfassend verstanden wird, also als etwas, das wie beim Dolmen quasi als Archiv interpretiert wird, das abschliessend alles versorgt und entsorgt, was ausgedient hat; wie ein Aktenberg, der niemandem mehr dient; oder als etwas, das in eine Ordnung gebracht wird; wie die Leichen auf den Totenfeldern, die in klar gehaltenen Geraden die Gräber übersichtlich anordnen. Was bezweckt diese Linien-Ordnung?

Die Ordnung des Runden und die Ordnung der Linie können auf dem Niveau der Denkebenen nicht gleich gestellt werden. Das Rund ist ein Punkt, ein Stein. Die Linie wird bereits etwas weiter gedacht als der Punkt. Die Linie, welche die Ordnung des Friedhofs ausrichtet und gestaltet, kann durchaus dahin gedeutet werden, dass sie dem Bemühen entspricht, dem Tod eine Ordnung zu geben, ab zu ringen. Ihn in einer gewissen Art und Weise zu bändigen sucht und, wie ein wildes, eingefangenes Tier, greifbar macht, um ihm seinen Schrecken zu nehmen, auch wenn der Mensch nicht über ihn verfügen kann.

Die Linien des Friedhofs vermitteln dennoch das Gefühl, dass man den Tod unter Kontrolle hat. Das verschafft etwas Beruhigendes. Der geordnete Tod wirkt fast, als sei er etwas, das dem Menschen, diesem Ordnungsliebhaber, nahe beheimatet ist. Klare Linien schaffen Bezüge und Beziehungen. Dem Tod eine Ordnung zu geben, heisst nichts Anderes, als seiner habhaft zu sein, auch wenn dieses Vorhaben der Verwirklichung einer völligen Illusion entspricht. Der Mensch frönt jedoch gern seiner Wunschbilder. Sie machen das Leben lebbarer als die Schrecken, die zum Tod führen. In seinen Vorstellungen ist der Mensch seiner Selbst Herr.

Fortsetzung

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