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Wir sind alle natürlich äusserst gespannt darauf, welchem Stück auf der Dessertplatte unser erklärter Verächter naturbelassener Kost den Zuschlag geben wird. Mit seinem Waldgewand hat der verehrte Plektarier uns voll für sich eingenommen. Die Bewunderung bleibt, auch wenn dem Kleid im Verlauf des Abends die Verzierungen vollständig abhanden gekommen sind. Der muntere Fleisch und Gemüse-Pessimist wird sich nicht lumpen lassen. Das heisst, vom Besten, was die Platte bietet, nehmen; das Beste, vielmehr jenes Beste, das sich mit seinen kulinarischen Vorlieben, Vorstellungen, Erwartungen und Vorurteilen deckt. Hoffnung keimt in uns auf. Denn das, was er als Naturkostskeptiker im Angebot ausspart, kommt uns zugut. Was knackig an Früchten in die süssen Stücke eingebaut und auf der Platte bleibt, wird unser sein. Vladidir ist in seiner Wahl eingeschränkt. Die Früchtefetischisten unter uns haben nichts zu befürchten.

Erste Bemerkungen fallen von rechts und links, was unseren Oberaufseher dazu veranlasst, erneut dazwischen zu fahren, um zum Rechten zu sehen, wie er betont. Das ist wieder einmal gesagt, jedoch ohne mit der Reaktionsfähigkeit der Runde gerechnet zu haben.

Das Feuer eröffnet Nadja, indem sie mit spitzer Stimme ziemlich schnippisch verkündet: Ich frage mich, ob die Platte richtig auf dem Tisch aufgestellt wurde. Die beiden Herren sind in der Begleitung von Kurt einfach herein geflattert und haben ihre Last prompt und sauber auf dem Tisch deponiert. Mir scheint, dass dabei etwas arg schief gelaufen ist. Denn die besten Stücke befinden sich genau auf der mir entgegen gesetzten Seite, so dass sie von mir schlecht eingesehen werden können. Ganz abgesehen davon, dass ich sie mit meinen kurzen Armen nicht zu erreichen vermag. Was völlig ungerecht ist. Ich müsste mich direkt als Langfinger betätigen, wenn ich mein Lieblingsstück erreichen und schnappen möchte.

Ich stimme voll und ganz in die Klage mit ein. Die Platte ist mit einer ziemlichen Unverschämtheit hin gestellt und zwar mit jener, die nur Beamten eigen ist.

Das verstehe ich nicht, sagt Kurt zu seinem vorgesetzten Lehrmeister im Broterwerbsleben. Hier ist Kurt der Meister. Er hat jedoch kurz den Faden verloren, was der Lehrer mit der Bemerkung ausnützt: Der achtbare Beamte stellt eine Gestalt dar, die Dinge nur nach einer klar verordneten und geregelten Vorgabe ausführt. Nichts darf von der Vorschrift abweichen. Herr Schuster, nehmen Sie sich als Beispiel, um das, was ich meine, zu illustrieren, die Sprache, in welcher wir uns Menschen verständigen. Da gibt es für die Bildung eines richtigen Satzes eine Wortstellung, die vorgegeben ist und nicht umgestellt werden darf. Die Wortfolge im Satz muss in einer Konstanz abgewickelt werden, die nur ein gut geschulter und dressierter Beamter zu befolgen vermag. Genauso verhält es sich mit der Platte, die vor uns auf dem Tisch liegt. Sie wurde genau in der Richtung auf dem Tisch gestellt, in der sie herein getragen wurde. Also keine Abweichung von der vorgegebenen Norm.

Fortsetzung

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