sch-ach-ztu-Armen

ztu Armen

Sie trennt ihren Blick behutsam von den Objekten unserer Begierde und wirft ihn keck in unsere Runde. Kunigunde weiss, dass sie uns in den Händen hat, was die Auslese betrifft. Sie braucht nur einen Finger auf das Stück ihrer Wahl zu legen und schon sind wir mächtig gepiesackt. Manch einer von uns sieht bereits seine Vorzugsnachspeise davon schweben, hineilen, nicht hinauf über die Geschmacksnerven des Gaumens in das Elysium der eigenen erfüllten Wünsche, sondern hinüber von der Platte auf jenes Porzellan, das sich Kunigunde von der bereitgestellten Beige Teller geschnappt hat.

Welm macht eine trotzige Bemerkung und warnt Kunigunde davor, seinen Bauch zu beleidigen, indem sie sich für ein Stück entscheidet, das er gern als runder Dicker für sich reserviert, weil es „rund, klein und dick“ daher kommt und darum so gut zu ihm passt. Kurt fährt dazwischen und erklärt, die Regel lasse es nicht zu, dass irgendjemand mitmischt, während jene Person, welche die Sechs geworfen hat, daran ist, ihren wohlverdienten Preis auszuwählen. Dass das wirklich gar nicht geht! Darum soll er, Wilhelm Schnepfensskorn, sich zurück halten.

In diesem Spiel ist jede und jeder auf sich allein gestellt, angesichts der Dessertkohorte, die auf dem Tisch ihres Verzehres harrt. Kunigunde darf als erste eine Wunde in diese hinein schlagen. Das wurmt uns alle. Sie zögert lange, länger als nötig, was uns ärgert – und schlägt dann zu. Natürlich nicht mit der Faust in die Platte. Ein derartiger Akt der Gewalt würde die ganze Pracht auf der süssen Schlachtplatte zerstören.

Schlägt zu bedeutet in dem Fall nichts Anderes, als dass sie behutsam entscheidet und dann entschlossen jenes Element mit der Kuchenschaufel, die ihr flink von schnellen Händen gereicht wurde, sorgfältig, ohne die übrigen Stücke zu touchieren, aus dem zuckersüssen Angebot das heraus greift, was ihr am meisten behagt und am Herzen liegt. Maronentiramisu heisst ihr Herzenselixier. Es bedarf keiner Beschreibung des Wunderwerks. Dieses wird auch nicht lange Bestand haben, denn Kunigunde will sogleich mit dem Dessertlöffel ansetzen, um zu stechen und einen Bissen versuchen.

Die Ordnung! Kurt interveniert streng: Diese erlaubt es nicht, dass jemand mit dem Verzehr beginnt, bevor alle Stücke redlich verteilt sind. Das Dessert soll auf dem Teller ruhen, bis jeder sein Stück vor sich hat. Das Würfeln geht weiter.

Unsere ausufernden Gespräche sind völlig an die Wand gefahren und liegen dort flach gedrückt wie ein in die Pfanne geschlagenes Ei. Der Würfel dreht seine Runden und wechselt von einer Hand in die nächste. Die nächste Sechs lässt auf sich warten. Das Ei in der Pfanne beginnt langsam zu bruzzeln. Es ist, als würde in diesem Einmaleins die sechste Zahl nicht existieren, meint Welm. Wir haben ein Spiegelei.

Wir haben eine Buchhaltung, die sich auf die Zahlen eins bis fünf beschränkt; mit dieser fragmentarischen Zahlenreihe lässt sich haushalten, meint Fussg. Es ist lediglich eine Frage der Mathematik, ob im Dezimalsystem, Oktalsystem, Binärsystem, im Dutzend oder im Hexadezimalsystem gerechnet wird. Im Grunde genommen spielt es gar keine Rolle, mit welchen Zahlen operiert wird. Es muss nur richtig gerechnet werden.

Fortsetzung

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