sch-ach-ztm-Augen

ztm Augen

 

Bei einem derartigen Fall treibt lediglich der Zufall sein übles Spiel mit mir. Ich kam zu Fall. Das sicher. Das liegt aber nicht an der Struktur des Schachbrettes. Mein Gesäss küsst zuweilen den Boden. Aber irgendwie finde ich jeweils wieder auf die Füsse und dies, ohne dass ich mich an der Struktur eines Schachbretts hinauf angeln muss. Darum brauche ich den Ratschlag nicht. Ich danke lediglich für die sinnliche Fläche, die du glatt mit schlicht bezeichnet hast und die als Tisch vor uns liegt, bestückt mit einem auserlesen Inhalt. Sie soll in deinen Augen keine Strukturen bieten und gefährlich sein wie ein glatter Tanzboden. Da bin ich nicht einverstanden. Der Anblick des bereit gestellten Tischbrettes mit den fünfzehn schmucken Türmchen ist schlicht umwerfend und erhebend und stellt in der Glätte, die du mir herbei zitierst, einen festen Widerstand dar. Der mir angedichtete Fall kann hier nicht eintreten. Denn dieses Gebilde gewährt mir Halt. Es könnte mir sogar so viel strukturelle Standkraft verschaffen, dass ich unbekümmert über die blanke Fläche tanzen könnte, welche der Tisch, wie eben gesagt, als schlichte Fläche offeriert.

Sofern nicht, wie es zuweilen geschieht, verschiedene Zufälle zusammen treffen und dein Gleichgewicht gleich wieder über den Haufen werfen.

Des Tänzers Ehre erhebst du zusehends! Was ist es diesmal, nach meinen verschiedenen Stürzen, das mir derart zur Ehre gereicht? Ein Sturz wird es nicht sein. Ich sitze hier und wüsste nicht, was mich zu Fall bringen könnte. Wir haben alles in der Hand und unter Kontrolle, auch das Dessert vor uns. Wäre dies nicht der Fall, würde der Zufall mit uns jonglieren und uns mit einem Zufallswurf umwerfen – und zwar nicht nur mich, sondern uns alle und uns schnöde des Desserts berauben. Das würde ich aber ein schäbiges Handeln des Zufalls nennen.

Es sei denn, man greift dem Zufall vor und lässt seinen Tanz in eine Wand krachen.

Worauf willst du hinaus. Ich bin hier mit von der Partie, was den Tisch angeht, und komme keiner Wand in die Quere.

Auch ein an die Wand geworfener Würfel geht zu Boden.

Beileibe nicht! Wer wird den Würfel an die Wand werfen wollen?

Tatest du das nicht schon?

War es ein Würfel? Einen Würfel nie und nimmer. Bei all dem Zufall, der in einem Würfel steckt, wäre das viel zu gefährlich. Mit dem Zufall spielt man nicht. Aber die Last der Erinnerung wiegt schwer auf dir. Dort, wo Wände aufgeworfen sind, führt kein Weg an dir vorbei. Auch nicht mit dem Auto.

Wolltest du eine Wand aufbrechen und dem Zufall ein Schnippchen schlagen, als du den Wagen in die Wand fuhrst?

Erinnerungen, nichts als Erinnerungen. Lass die alten Geschichten ruhen. Mit Erinnerungen lassen sich keine Desserts erringen. Wir, hier, sind Realisten und richten unsere Anteilnahme aufmerksam auf das wunderbare Produkt, das vor uns liegt.

Fortsetzung

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