sch-ach-ztk-Menschenrechte

ztk Menschenrechte

 

Ziel der Ordnung muss es sein, dass der Zufall nicht unbescholten seinen Schabernack treiben kann, sondern alles, was ist, solcherart gestaltet wird, dass es nicht eingeplanten Einflüssen immer so viel Widerstand wie nur möglich zu bieten vermag. Wer die Meinung vertritt, das Schicksal sei des Glückes Schmied, der hat noch nie die beruhigende Wirkung der Ordnung am eigenen Leibe erfahren. Die Arbeit der Chronistin besteht unter anderem darin, mit diesem Schreiben genau diese Wirkung zu erzielen.

So! Fertig! Es wird nicht mehr gezögert. Der gastronomische Abgangsversüsser liegt auf dem Tisch. Der Würfel auch. Er soll fallen. Kurt fungiert als Oberrichter, er verfügt über die Oberaufsicht. Wem obliegt der erste Wurf?

Es muss vorwärts gehen. Das Verfalldatum des Desserts könnte sonst erreicht werden oder wenigstens die Halbwertszeit, so dass alles, was knusprig vorbereitet wurde, nur noch matschig daher kommt. Von Genuss kann beim Verzehr einer gefadeten, vergammelten Süssspeise keine Rede mehr sein. Die Endrunde unserer Mahlzeit verkommt dann nur noch zum banalen Schaulaufen eines lustlosen Aufessens.

Wenn wir hier noch lang herum reden, wird uns der Gastronomieabgangsversüsser schliesslich wegschmelzen, auch wenn er nicht aus Eis geformt ist. Sogar der krustige Teil wird sich unter der Last unseres endlosen Redens biegen und zergehen.

Wenn wir noch lange weiter dumm reden, wird der Beerensaft, der da und dort die schmucke Landschaft schmückt, von den oberen in die unteren Schichten der Schnitten fliessen, so dass die Dekoration in sich zusammen fällt und der frische Teig sich in madige Pappe verwandelt, die im Graubeerenreich anzusiedeln ist, also jenem Graubereich, der die untere Grenze des kulinarischen Angebots bildet, das überhaupt noch genossen werden kann.

Wenn wir noch lange zuwarten, wird das Soufflé vor enttäuschter Erwartung in sich zusammensinken.

Wird der Cognac verdampfen.

Wird die süsse Glasur zerlaufen.

Wird der zarte Marzipanüberguss vertrocknen

Darum ist Eile geboten. Wir alle schweigen im stillen Einvernehmen.

Nur nicht übereilt. Alles hat seine Ordnung. Bevor es ums Dessert geht, geht es um die Wurst. Mit diesen Worten interveniert Kurt sofort und verhindert auf diese Weise, dass jemand unerlaubt und voreilig nach dem Würfel greift und sich vorschnell Zugang zur Dessertplatte verschafft, davon ausgehend, der schnelle Wurf schaffe Vorteil, die Sechs sei ihm wohlgesinnt, die Schicksalsgöttin stehe auf seiner Seite.

Fortsetzung

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sch_ach

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s