sch-ach-ztg-immer

ztg immer

 

Mein Protokoll folgt der Ordnung unseres dreieckigen Tisches und nicht jener des quadratischen Schachs. Aus diesem Grund gelingt es mir, die als Protokollistin Kontrolle über alles haben muss, nicht zu eruieren und damit sachkundig schriftlich fest zu halten, wem diese mysteriöse Stimme gehört, welche sich zum wiederholten Male und in zunehmend penetranter Art und Weise in mein Protokoll einschiebt, als ob ich nichts zu schreiben hätte. Diese unpassenden Einlagen aus fremder Hand verändern die Aussage meiner Wiedergabe des Abends. Denn, was es mit den Rezepten und all den eingeschobenen Geschichten über Ordnung auf sich hat, bleibt völlig unklar. An diesem Abend, den ich zu protokollieren habe, sind sie nie gesagt worden, diesem Abend unserer Fünfzehn – und nichts mehr.

Dennoch, eines sei zu diesen unerwünschten Einlagen von Seiten der Protokollistin noch bemerkt: Sie lösen Beängstigungen aus. Genau: So abscheulich muss das Wort tönen, das die Angst beschreibt, welche diese unerquicklichen Füller auslösen. Sie leuchten nicht als Laternenfisch den Weg durch die Tiefen dieses Protokolls aus, sondern gehen einfach wie ein Pilotfisch neben meinem Protokoll einher. Schlimmer: Ganz und gar nicht wie dieser genannte Fisch bleiben diese Texte ausserhalb meines sauber erarbeiten Protokolls. Mitnichten! Sie lagern sich vielmehr frech wie Parasiten in dieses ein. Als fürchterliche Wortmontagen profitieren sie rein egoistisch von der Arbeit, die ich selbstlos und unbezahlt leiste.

Wenn es sich wenigstens noch um Putzerfische handeln würde, die auf gut Wetter mit mir machen und meinem Schreiben die nötigen Streicheleinheiten verabreichen würden. Aber nichts von alledem!

Etwas mischt in meinem Protokoll mit, das ich nicht zu beeinflussen vermag. Etwas, das meinem Eifer, genau das wieder zu geben, was an unserem Abend geschehen ist, völlig zuwider läuft. Etwas, das sich gegen mich stemmt, so dass ich meiner Pflicht, dem Grundpfeiler aller Ordnung, kurz: den Forderungen meiner eigenen, strengen Wertauffassung nicht nachzukommen vermag. Aus der Pflicht wird eine Schuldpflicht. Wenn ich dem, was ich zugesagt habe, nicht nachkomme, dann erwächst dies zu einer Schuld, die ich abzahlen muss. Das Ziel meiner Pflicht verschiebt sich. Schuld abtragen und freiwillig ein Protokoll schreiben beinhaltet nicht die gleiche Aufgabenstellung. Die Aufgabe des Ziels führt dahin, dass ich meine Aufgabe verrate.

Fortsetzung

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