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zse Endprodukt

 

So ist das nicht! Auch wenn es danach aussieht, wie wenn ich aus meinem Chronikbericht ausscheren würde. Es wird an der Krawatte liegen oder vielmehr jenem Herren, der drin steckt, sie jetzt etwas salopp umgebunden hat. Nicht nur wegen seines im Moment lässig gehalten Auftritts erweckt er Aufmerksamkeit. Er präsentiert eine durchaus angenehme Statur. Er sitzt nicht mit einem alles vereinnahmenden Bauch am Tisch, sondern mit geradem Rücken und breiter Schulter. Die schräg über dem Brustkorb weg gerutschte Krawatte korrigiert die etwas steife Haltung wohlwollend, belässt der Gestalt ihre innere Würde.

Wenn ich jetzt gerade an ihn denke, wird das seinen Grund haben, dem ich in diesem Protokoll jedoch nicht nach zu kommen brauche.

Solche Gedanken und Überlegungen fliessen aber in meine Überlegungen ein, wenn ich von der Geraden abweiche, die auf das mir gesteckte Ziel zuführt. Dieses Ziel muss ich im Auge behalten, sonst komme ich an kein Ende. Das Ziel des Schreibens kann nicht die Endlosigkeit sein. Statt mich mit mir selber zu beschäftigen, sollte ich mich vielmehr auf das Geschehen um mich herum konzentrieren, damit die Geschichte nicht durch Hürden wie etwa eingeschobene Geschichten oder einengende Selbstreflexionen aufgehalten und der Erzählfluss gebremst wird, kurz: nicht in der Sackgasse missratener literarischer Selbstbefriedigung endet.

 

Inszenierung III

 

So, mit diesem Zwischentitel habe ich mich wieder klar in die Geschichte eingeklinkt. Und es soll auch das letzte Mal gewesen sein, dass ich mich als Chronistin in den Vordergrund rücke.

Wir sitzen alle, abgesehen vom trinitarischen Komitee, dem die Oberaufsicht über den Ablauf des Abends obliegt, um den leeren Tisch. Es wäre schon etwas weit her geholt, wenn ich den Tisch aufgrund seiner Dreiecksform in die Nähe des Auge Gottes rücken und uns als eben dieses Auge darstellen würde, das durch die Fensterfront nach draussen blickt, in eine Welt, deren Schöpferinnen wir sind. Uns ist es aufgrund unseres Sitzens wie um den Tisch des Olymps gelungen, die Leute draussen in ihrem Gang durch die Stadt aufzuhalten, so dass sie zu uns herein blicken. Wir, die gleich Magnatinnen, Göttinnen, Burgfrauen, Gutsbesitzerinnen, Herrinnen um einen Rittertisch logieren und in die uns gehörende Welt hinaus blicken, könnten uns als mehr fühlen, als wir in Tat und Wahrheit sind.

Unserer Tafelrunde am eckigen Tisch fehlt es zwar an einer Vorstand-Dame, die alles beherrschend und kontrollierend am Tischende thront. Was auch sehr schwer in unserem Fall zu bewerkstelligen wäre: Eine Dame als Vorstandsdame ans Tischende setzen. Denn unser Tisch hat derer drei. An welcher der drei Ecken unseres Tisches sollte die Dame denn Platz nehmen und wie Artus an seiner Rittertafel souverän und erhaben, jeglicher Kritik entrückt, über Geschick und Ordnung unserer Runde walten?

Fortsetzung

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