sch-ach-zsd-das

zsd das

 

Darf ich solches als Chronistin wiedergeben? Eine Chronistin muss gemäss der Regeln ihrer Kunst ausschliesslich das notieren, was gesagt wird, und nicht, was nicht gesagt wird; sie sich im Grunde also nur ausdenkt; eigentlich aber, obwohl nicht gesagt, doch hätte gesagt werden müssen.

Ich nehme mich bei der Nase: Als Schreiberin habe ich das Einfügen von derartigen Gedankensplittern in den Text tunlichst zu unterlassen.

Für Fussgs Schweigen gibt es keine Erklärung. Er bleibt hart und bitter und sagt nichts zum Problem der süssen Nachspeise.

Vermutlich weil die Krawatte schief hängt.

Maul zu!

Warum bin ich eigentlich auf ihn fixiert? Das hat einen Grund. Er ist unter uns der Vertreter der Hochfinanz. Der Mäzen. Sicher auch dieses Lokals. Bei diesen Worten blicken wir uns, meine beste Freundin und ich, nur kurz an.

Fussg gibt sich souverän und steigt in den Wortaustausch zwischen Wladimir und Janie, den ich verpasst habe, wieder zu geben, nicht ein. Das ist Klasse, echte Klasse. Das Geld verschwindet wieder aus unseren Diskussionen, das Dessert gewinnt erneut an Terrain.

Dessert und Geld. Ich will nur nebenbei bemerken, dass ich meiner Chronistinnenarbeit unentgeltlich nachkomme. Trotzdem muss ich meine ganze Konzentration für diese Aufgabe aufwenden, was anstrengend und ermüdend ist. Ich muss mich gehörig zusammennehmen, damit ich mehr oder weniger präzis wiedergebe, was an diesem denkwürdigen Abend alles gesagt wird. Ich muss zudem darauf hinweisen, dass es einer ungeheuren Leistung entspricht, geistig mit zu schreiben, ohne auch nur irgend einen Satz auf ein festes Stück Papier notieren zu können; vielmehr alles aus einem arg strapazierten Gedächtnis wieder zu geben, was gesagt wird.

Ich gehe davon aus, dass Fussg mir meine Leistung entschädigen wird, sobald er das Resultat sieht; dies, obwohl der Auftrag, den ich übernommen habe, nicht von ihm stammt.

Während der Niederschrift habe ich durchaus die Möglichkeit, mich mit mir selber zu befassen, mich mit mir selber zu beschäftigen und mir selber ganz verschiedene Fragen zum Chronistinnendasein zur Beantwortung vorzulegen. Niemand funkt mir rein, obwohl ich dieses erzählerische Hasenhakenschlagen, dieses Wegscheren in meine eigene Welt, dieses Beiwerk zum Wesentlichen, was an diesem Abend ablief, ganz einfach als Zeitverschwendung einstufen muss. Von aussen besehen mag es so aussehen, als stehe ich etwas verloren im Raum, den meine Chronik absteckt und abbildet; als ob ich dem filigranen Faden des Erzählstrangs nicht zu folgen vermag und ihm mit Ränken und Finten beizukommen suche; wie wenn ich ihn verloren hätte; ich darum nach Ausflüchten suchte; nach Fluchtwegen, die mich aus der mir aufgetragenen Verantwortung führten und ich dem, was ich schreibe, eine eigene, meine Richtung geben würde.

Fortsetzung

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