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Hier drinnen wird im Moment weder zu einem geistigen noch zu einem physischen Aufbruch geblasen. Es liegt Urlaub in der Luft. Es liegt alles in einer gewissen Ordnung. Niemand mag aber laut darüber nachdenken, was es mit diesem erneuten Einbruch von Ordnung, einer anderen diesmal, auf sich hat. Die Ordnung hat es gewissermassen an sich, dass man besser die Finger von ihr lässt und sich darum völlig in seine eigne, alles umfassende Faulenzerei verkriecht, wenn irgendetwas Neues ansteht – und handelt es sich dabei sogar um ein Dessert. Zuweilen soll man sich nicht in das Geschehen einmischen, das um einem stattfindet. Man muss den Dingen Zeit lassen, damit sie sich entwickeln können. Einfluss kann man auf solche Geschehnisse, wenn man ausserhalb deren Ordnung steht, nicht ausüben. Besonders dann, wenn man wie wir so angenehm in einem warmen Raum vor sich hin döst und sich weich und unbesorgt in die eigenen Gedanken unwidersprochen einbettet. Im Zustand des Nichtstuns ist die eigene Ordnung die beste.

Wir, die Schönen dieser Welt, machen Ferien. Die, draussen, jenseits des Schaufensters, schauen uns zu. Leute, die in den Ferien weilen, sind immer schön und schick gekleidet. Vielleicht nicht schicklich, aber doch anziehend, weniger den Körper, mehr die Blicke. In den Ferien sehen die Menschen ganz anders aus. Die Details werden sichtbar, auf welche man im Alltag gar nicht achtet, wenn man am Rand des Gesichtsfelds in der Schnelle mit dem Blick über die Körper der Anderen fährt. Schönheit verfügt über Zeit. Man braucht sie, um mit den Augen auf Schultern, Schenkeln und all jenen Wölbungen, die den Menschen zieren, zu verweilen.

In den Ferien zeigen viele Menschen mehr von ihrem Körper als während der vom Erwerbsleben diktierten und abgegrenzten Zeit. Die Ferien schaffen Freiraum. Freier gekleidet gehen die Menschen über die Strasse und verweilen länger vor den Schaufenstern und den Geschäftsauslagen. Die Guckenden haben mehr Zeit als üblich, um das, was sich auf der Strasse, im Vorbeigehen, beim Verweilen preisgibt, bewundernd und manchmal kritisch mit den Augen auf zu nehmen und im Geist nach zu malen. Den beharrlich Guckenden gewähren die betrachteten Leute einen grösseren temporären Raum, um sich sichtlich sinnlich an den preisgegebenen Linien, Strichen und Konturen zu weiden. Die Leute lassen sich bestaunen. Stören sich nicht an den fremden Blicken. Es ist Ferienzeit. Alles, was den Menschen ziert, wird feil getragen: seine Rundungen und Buchten, die je nach kulinarischen Vorlieben der natürlichen Form des Körper Rechnung tragen oder dann den überdeutlichen Zeichen ungehemmten Schlemmens Zoll zahlen. Von unseren Lippen tropft das angesammelte Fett der eingepackten Marone.

Fortsetzung

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