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(…) Eine Stadt, die aus fensterlosen Häusern und Türmen besteht. Sie wachsen zum Himmel hinauf und darüber hinweg. Der Blick vermag ihnen nicht zu folgen. Neue Gebäude entstehen, höher als die schon bestehenden Türme und auch niedriger als diese. Die Häuser gehen haltlos in die Weite und Breite. Über allem liegt als brodelndes Gewölk der graue und schwarze Rauch einer entstehenden Metropole. Die wachsende Stadt verlangt immer mehr und gierig nach zusätzlichem Raum. Die Architektur wächst und wächst. Keine Öffnung, nirgends, in einer Wand. Alle Gebäude sind ohne Fenster, als ob niemand in dem Ort lebte. Tot. Die grauen Quader verhindern jeden Blick in die Gassen und Strassen. Kein Weg führt zwischen den Häusern hindurch. Die Stadt präsentiert sich ohne Fenster und auch ohne Türen. Die Dimensionen reichen weit. Der Blick in die Tiefe, in die Ferne, scheitert an den Farben, die als unfreundlicher Dunst über der Stadt und um die Gebäude schweben. Keine Strassen gewähren Durchlass. Die ganze Stadt gebärdet sich wie eine einzige Wand. Weniger beruhigender als die unruhigen Nebel liegt die Stadt da. Die Quader stehen still und schweigend. Die Schwaden hängen in der Schwebe und werfen ihre Schatten auf die verschiedenen Steinflächen. Kein Ton. Das Gemälde gerät in Stillstand und ein dumpfer Ton schreckt uns auf.

Also, das war nichts anderes als ein Albtraum.

Nichts solches mehr an diesem Abend!

Stimmt, wir haben schon genügend solcher schrecklicher Geschichten gehört.

Man hat uns versprochen und nicht gehalten, dass man uns die Knochen mit einem Dessert versüssen wird.

Die Knochen sind weggeräumt.

Kaum zu glauben, dass wir schon den ganzen Abend über hier sitzen. Der Zeitpunkt, an dem die Marone aufgetischt wurde, scheint endlos weit weg zu liegen.

Einige von uns beschliessen nach dieser schrecklichen Geschichte, die sie als Albtraum bezeichnen, aufzustehen und sich etwas die Beine zu vertreten – was mir meine Chronistinnenarbeit nicht erleichtert. Im Gegenteil. Die Leute gehen hin und her, verweilen vor der Bar, lassen sich einen Drink servieren, schenken selber ein, genehmigen sich dort einen Schwatz, lassen hier einen Spruch fallen.

Draussen hat sich das Volk verlaufen. Dennoch bleiben immer wieder etliche Leute stehen und kleben ihre Nase an die Scheibe. Aus der Masse, die vorbei eilt, gesellen sich etwelche Passanten bei. Die Spähtraube am Fenster wächst wieder an. Ein Teil der Neugierigen befriedigt sehr schnell ihr Interesse am Geschehen in unserem Lokal und kehrt zurück in den Menschenstrom, der vorbei zieht. Wir beschauen uns die Kleider der Aussenstehenden, gucken, wer mit wem geht, ob jemand Bekanntes unter diesen, und tauschen dazu unsere Meinungen aus.

Fortsetzung

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