sch-ach-zrk-teuer

zrk teuer

 

Wir, die Gäste, schauen den Knochen nach, wie sie gehen, und erheben uns nicht. Es ist nicht nötig, Hand anzulegen. Der Tisch leert sich schnell. Er reinigt sich fast wie von selbst. Er macht Platz für Neues. Wir geniessen den Wein und lehnen uns zurück, fühlen uns behaglich, tauchen ein in Momente des süssen Nichtstuns. Für einmal herrscht Ruhe am Tisch. Wir möchten einen Augenblick lang träumen.

 

Der Ordnungstraum

 

Eine Wand graubraun. Eine Fläche ohne Kanten. Darüber nichts als Schwaden. Nebel, der sich an den Rändern verdichtet. Und eine neue Schwade fällt in die Fläche hinein. Fährt über die satten Farben, verwischt die Unterschiede. Tumult in dem, was vom Gefälle der Strukturen bleibt. Auseinander fallende Felder werden zu neuen Wolken, die ineinander steigen und in sich zusammenbrechen. Zerbersten, wie kompakte Erde, die in Wasser fällt. Wild wuchernd wie ein Garten, der ohne Pflege ist. Wo alles ineinander fährt und eine ungeheuer grosse Bewegung herrscht, die alles weg schlägt, was sich in eine Form bringt. Ein neuer Nebelpulk, durchzogen von wilden Adern, stürzt auf die sich zerstörende und zermürbende Momentaufnahme. Kurz öffnet sich ein Loch, das einen existentiellen Blick in die bodenlose Tiefe gewährt. Was dort hinein fällt, taucht tiefer hinab, als je gedacht, wird von einfallenden formleeren Flächen zerschlagen und zersetzt. Aus der alles versengenden Tiefe steigen Schatten an die aufgelöste, durcheinander wirbelnde Oberfläche und verdunkeln die schwachen Linien, welche die grauen Streifen in der rotierenden Struktur nur schwach trennen. Der kantigen Schatten scharfe Ränder kappen die fadenschwachen Verbindungen zwischen den davon eilenden Flächen und keilen zugleich die neu entstehenden Kanten scharf und schmerzhaft auseinander. Irrational tief dringt die schmerzende Schneide vor in die aufgerissenen, implodierenden, neu geschaffenen Farben. Schmerz, Schmerz. Die aufgewühlte Szene bleibt tonlos. Die durcheinander wirbelnden, matten Farben öffnen sich zu gierigen Schlünden. Sie saugen alles auf, was in ihre Nähe gerät, stürzen ungebremst und unaufhaltsam in die sterbenden, zuckenden Flächen. Zersplittern unter der Wucht des heraus brechenden Chaos. Neue Wolken bauen sich auf und fegen die Tiefen hinweg. Keine beruhigende Winde. Kein Ton. Das Krachen ist reines Bild. Stumm, hilflos, zerfällt, was sich erneut aufbäumt, in einer Sequenz von Tausend niederprasselnden Farben, die verblassen und einer matten Beschaulichkeit weichen. Das beruhigende Wachsen von braunen Farben zerteilt sich in eine angenehmen, überschaubare Anzahl von Farbtönen und entflechtet sich gemächlich in der vorschnell zum Stillstand geratenen Farbtonstruktur zu einem sanften Bild diesigen Dunstes. Kein Hauch von Ruhe. Der trübe Hauch verwandelt sich auf den Augenblick in einen gewaltig ausbrechenden Sturm. In aufberstenden Farbschwaden kracht ein mächtiger Steinbrocken geräuschlos hinein und platziert sich auf dem Boden. Ein weiterer Quader aus Granit folgt und setzt sich neben den ersten. Weitere knallen lautlos nieder und setzen sich neben und auf die ersten. Es wachsen Mauern in alle Richtungen, in die Tiefe des Bildes, auch weit in die Höhe. Wände, die von dahinter liegenden überragt werden. Die Farbgeflechte werden unsicher. Der Quaderhagel hält an, wird stärker, rasend schnell. Die Anzahl der Steine nimmt rapide zu, unendlich weit, setzen sich zu Wolkentürmen aufeinander. Im Vorderbild reckt sich ein wehrhafter Schutzwall hoch, dahinter eine ganze Stadt, die wegen der zerstiebenden Wolken in ihren Details nicht einsehbar ist. (…)

Fortsetzung

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