sch-ach-zga-Lustvolles

zga Lustvolles

 

Herr Schuster, ich fordere Sie auf, das Skalpell aus ihrem Etui hervor zu holen, damit wir endlich unseren tiefgründigen Erörterungen ein Ende setzen können. Wir sind erfolgreich in die Tiefen der Gans eingedrungen. Nun wollen wir alle vom gefundenen Gold profitieren.

Ja, Kurt, öffne die Schatztruhe, ruft Arigia.

Keine weisse Schatulle, die für uns böse Überraschungen bereit hält, murmelt Kurt, kaum vernehmbar. Ich, die Protokollistin, sitze nicht weit von ihm und bekomme darum so einiges mit von dem, was er von sich gibt. Alles ist nicht wiedergebenswert.

Wir schauen.

Gold! Brillanten! Mit solchen Augen blicken wir Ausgehungerte gebannt auf die Marone, die als goldgelbe Masse in ihrem Teich aus zart gefasertem Fleisch ausharrt. Eine Rose, die aufgegangen ist. Und diese Marone sollen wir jetzt verletzen, nachdem verschiedene Voten darauf hin gedrängt haben, dass wir das Messer an sie legen. Die Marone tut uns im Herzen weh, wie wir daran denken, dass wir sie aufschneiden sollen. Unsere bluten, als hätten wir ihr bereits ein Leid angetan.

Die in Gold aufgewogene Marone verliert ihren Wert, wenn sie aufgeschnitten wird. Eigentlich sollten wir sie als Botschafterin dieses Premierenabends unversehrt lassen, sie unter ein Schauglas stellen und auf diese Weise verewigen. Die Menschheit hat wirklich schon Dümmeres unter die Schauglocke und somit unter ewige Beobachtung gelegt als eine eingepackte Marone, etwa Häuser, denen die Abrissgenehmigung vorenthalten wird. Unter der Haube liegen diese dem Denkmalschutz unerbittlich ausgesetzt, der sich unter oft fragwürdigen Argumenten und mit Argusaugen wachend eigene Denkmäler in Städte, Dörfer und Landschaft setzt. Beim Barte des Propheten, der in Einzelstücken museal an verschiedenen Orten aufbewahrt wird: Aus dem Hirn eines Mannes ist schon manches gewachsen, das wir Frauen nicht nachvollziehen können. Das Kinn des Mannes trägt manches Barthaar, das aufbewahrt zu werden, es sich nicht lohnt. Und gehen die Barthaare aus, dann müssen halt andere Fäden her, die unter Schutzglas als Reliquie aufbewahrt werden können. Diese Marone gibt es aber nur einmal. Ist es wirklich angebracht, diese zu zweiteilen – und das gleich mehrfach – um sie danach als ein Schaustück, das in Glas gefasst ist, über die Welt zu verteilen, fragt Kunigunde.

Das Prunkstück des Abends soll durch den Magen, statt als Erinnerungsstück an ein kulinarisch einmaliges Ereignis der Kochwelt erhalten zu bleiben!

Fortsetzung

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