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zfn abtut

 

Die breiten Fleischstreifen des Huhns und der Gans gehen wie Palmblätter auseinander und bilden auf diese Weise das natürliche Bett für die Wachtel. Keine Wachtel lag bisher besser gebettet als diese, meint Kaspar.

Vladidir rümpft die Nase.

Fussg streicht sich mit einer Hand über die Krawatte und mit der Zunge über die Lippe.

Wenig Farbe, kommentiert Nadja.

Na, mein Kabar, das Ding ist weit weg von einem Schachbrett. Das kommt von Wilhelm. Und auch von einer Pizza hat das Ding nichts an sich. Uns droht hiermit nicht, dass wir hier hinaus geschmissen werden. Die Wachtel ist zwar rund, rund auch die Pizza. Sonst aber mache ich keine Ähnlichkeit zwischen diesem Braten und einer Pizza aus. Keine versalzene Kaper, keine fette Olive, nicht einmal eine scharfe Salami, geschweige denn zerstampfte Tomaten oder fadiger Käse verunreinigen diesen wunderbaren Wurf aus Fleisch, sowohl geistig verstanden wie kulinarisch vollendet dargestellt. Keine frisch gepflückte Erdbeere, die noch den Saft ihrer Staude an sich trägt, überbietet an Vertrauen erweckender Schönheit diese Rosette in ihrem warmen Bett. Betrachtet und analysiert man diese Rosette genau, dann kommt man nicht darum herum, fest zu stellen: In dieser Komposition hat die Ordnung ihre Vollendung gefunden. Die feine Brust des Huhns, die mächtige Brust der Gans gehen auf wie die mächtigen, ausladenden Flügel eines Schwans, wenn er auf dem Wasser zu einem Flug ansetzt. Zu überlegen wäre, meine liebe Nadja, ob ein Schwan in dieses schmucke Arrangement eingebaut, vielmehr das ganze Gefüge vor uns in einen Schwan eingebettet werden könnte.

Sprich nicht zu lang. Das ist Kabar. Die Wachtel wird kalt.

Kurt, wie er sieht, dass er Unterstützung gegen seinen Chef erhält, packt die Gelegenheit beim Schopf:

Achtung! Der grosse Augenblick naht! Jetzt Ruhe, den denkwürdigen Moment darf niemand verpatzen. Denn jetzt wird das viel genannte Geheimnis gelüftet.

Ein Satz, den ich, die Protokollführerin, Kurt nie zugetraut hätte. Ich gebe diese Ansage aber so wieder, wie ich sie gehört habe.

In aller Eile begibt er sich hinter die Theke und kommt allsogleich mit einem kleinen Etui zurück, das er behände aufklappt. Es hält mehrere Schneidwerkzeuge. Die schmalste Gabel daraus wählt er aus, jene, die am besten zur fragilen Muskulatur der Wachtel passt und eine entsprechende Schere. Eine weitere herzenskleine Gabel legt er bereit, die der Wachtel zur Zierde gereicht.

Bevor er jedoch zu einem Schnitt ansetzt, meint er, gewandt an Wilhelm: „Herr Schnepfensskorn. Diese Platte verfügt über eine begrenzte Fläche. Aus diesem Grund konnte ich das Geflügel nicht nebeneinander auf die Platte platzieren, sondern musste auf Ihre Notlösung ausweichen und das Dreiergeflügel ineinander verschachteln, so gut ich es vermochte. Sie mögen darüber lästern. Ich habe aber das Werk zur Vollendung gebracht, das Messer wird ihm die Krone aufsetzten.“

Fortsetzung

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