sch-ach-zff-Ruecksicht

zff Rücksicht

 

Am anderen Ende des Tisches wird darüber diskutiert und gerätselt, wer diese drei kleinen, aber anschaulichen Türme zusammen gesetzt hat, wer über derart geschickte Hände verfügt, um aus zwei Kartoffelsorten, einer blauen und einer weissen, ein derartiges kulinarischer Ereignis zusammen zu mischen.

Gibt es so etwas: blaue Kartoffeln?

Noch nie gesehen.

Es ist erstaunlich, was für Erdknollen wir unwissende und gedankenlose Endverbraucher in unserer Konsumwelt überleben lassen. Die auf blinde Konsumwut getrimmte, lebensmittelkontrollierende Buchhaltung vermochte die blaue Kartoffel nicht auszurotten. Ich als Plektarier bin selbstverständlich mit diesem bunten Stück vertraut, denn es dient meinen Salbennahrungen als natürlicher Farbstoff. Ich stehe selbstverständlich nicht nur wie an diesem Abend lediglich auf grün und braun, dies zu Ehren der Marone, die trotz aller Unkenrufe noch immer nicht Einzug in unsere Mitte gefunden hat. Die blaue Kartoffel nimmt in meinem Leben einen ganz besonderen Platz ein. Sie hat zwar ihr Standbein in der Schnellfuttergesellschaft noch nicht gefunden. Aber, was tut es zur Sache! Hauptsache, Wladimir und ich finden unser Vergnügen darin, wenn wir in Zukunft bunte Friten fritieren. Im Hinblick auf alles, was auf uns zukommen wird, findet dieser krause Kartoffelstock meine vollste Zustimmung. Es ist fast schade, dass bald eine Gabel mit zerstörerischer Boshaftigkeit in diesen Stock hinein stechen wird. Ein Kunstwerk geht dabei kaputt.

Angestochen, das ist das Stichwort, auf das wir alle gewartet haben.

Die Gans liegt ganz brach und unberührt auf dem Tisch, als ob sie vergessen ist und niemand in den Köder beisst.

Der ist uns von der Decke herab geschwebt, wie dem Fisch im Aquarium die Fliege; durch die Angelschnur vor die Nase gesetzt. Vorsicht ist geboten. Niemand von uns beisst an, ganz so, als hätten wir alle Angst, in der Gans befänden sich Widerhaken.

Wenn die Ordnung aus dem Ruder läuft und alles uferlos und ohne Ende wird, wie an diesem Abend, das Essen endlos auf sich warten lässt, die Gans unangerührt still vor sich hin dampft, statt dass unsereins diese in gesunden Stücken mit vollem Munde verzehrt, dann ist es wirklich höchste Zeit, dass angestochen wird. Sonst werden die Gäste madig und ranzig die Stimmung.

Fortsetzung

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