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Ich, und noch einmal ich, melde mich. Ich rücke mich in den Vordergrund, damit der Leser klar und deutlich erfährt und ein für allemal kapiert und erkennt: Der schreibende Herr, jener der die Feder führt, nimmt sich ungeheure Freiheiten heraus und wirft mit seinen ständigen, selbstgefälligen Einwürfen jede entstehende Ordnung in meinem Protokoll über den Haufen. Wo kommen wir hin, wenn ich solches Tun widerspruchslos hinnehme und mich streng darauf beschränke, lediglich das Protokoll zu führen und zwar nur dann, wenn es dem Herrn an der Feder in die Feder passt. Die Ordnung im Raum, den ich und der Schreiber uns teilen, würde vollends aufgelöst.

Darum bestimme ich jetzt, dass er, der Unbekannte, sich aus meinem Protokoll raushalten und mir diesen Fall überlassen soll. Draussen vor der Tür hat er seinen Platz. Dort soll er stehen und die Dinge im Wasser, Wein und Frucht ihren Lauf nehmen lassen. Alle Stühle sind besetzt. Wir sind schon genug Leute an diesem Tisch. Er braucht an diesem nicht auch noch Platz zu nehmen, um uns drein zu schwatzen. Wir sind bereits genug Leute, die das die geraume Zeit über tun: unangemeldet dem Anderen ins Wort fallen.

Zudem frage ich mich auch, ob der Kerl, der mir in mein Protokoll gefahren ist, dies ungestraft tun darf. Ich könnte ihn auf sehr kluge Weise massregeln, indem ich ihm einen deutlichen Denkzettel verpasse. Ich werde mich an seinem Zwischentitel, die er gesetzt hat, heran tun und an diesem vergreifen. Der Zwischentitel ist willkürlich gesetzt und damit verletzlich. Ich ändere diesen einfach von „Die Ansteche“ in „Rückeroberung der Erzählherrschaft“. Wenn ich mit diesem Herren, der mein Schreiben um zu leiten versucht, sogar ganz böse sein will, dann schreibe ich statt „Erzählherrschaft“ ganz einfach „Erzählfrauschaft“. Was zum Titel führt: „Rückeroberung der Erzählfrauschaft“.

Damit spiele ich dem Gesellen, der sich in männlicher Überheblichkeit intellektuell schwach an meine Sorgfaltsarbeit heran wagt und seinen Weg in ungehobelter Manier durch mein Protokoll bahnt, ganz übel mit. Denn das schliesslich von mir eingeführte Wort findet sich in keinem Wörterbuch. Keinem Erzähler steht es darum zu, dieses zu benützen. Neue Wörter jedoch will die Frau sehen!

Der üble Titelsetzer, der unaufgefordert und unpassend sich anmasst, mein Manuskript aufzuweichen, wirkt an der Nase, vielmehr am Ohr vorgeführt. Ich glaube, ich werde mich in Sachen „Titeländerung“ und Wohlklang femininer Sprache mit meiner besten Freundin beraten. Möglicherweise fällt ihr noch etwas Besseres ein, um dem Unflat Sitte und Anstand beibringen, ihm, der uns mit höfischem Getue beikommt, Anstand vorschwatzt und uns die genaue Kunst des edlen Sezierens einer gebratenen Gans beibringen will, dabei aber über die Regel des guten Benehmens beim Schreiben stolpert: Man soll dem Anderen nicht in seine Zeilen fahren.

Fortsetzung

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