sch-ach-zey-der

zey der

 

Wir konzentrieren uns alle wieder auf unsere Runde, nachdem wir kollektiv nach draussen geschaut haben. Der Braten liegt auf dem Tisch, dampfend. Die Wärmeplatte zeugt von ausgezeichneter qualitativer Machart. Sie hält warm.

 

Die Ansteche

 

Auf dem Block des eifrig Mitschreibenden, jenem, der die Protokollistin begleitet, reiht sich nach wie vor Satz an Satz. Im Gegensatz zu ihr blickt er in die Vergangenheit. Es werden Erinnerungen wach. Auf diesen Blättern entsteht ein Gastmahl. Solche gab es schon viele. Die Vergangenheit hält zahlreiche bereit, berühmte und weniger berühmte, solche, die in die Menschheitsgeschichte eingingen wie das Gastmahl des Belsazar, und solche, die sich aufgrund ihrer Belanglosigkeit als Erbrechfest durch die Abflussrohre der Kanalisation ohne Namen selber abführten, sofern eine solche am Ort des üblen Gelages überhaupt existierte.

In Geschichten, die in Urzeiten auf Pergament festgehalten wurden, wird berichtet, wie Apollodoros sich genüsslich über die Sitten jener philosophierenden Gestalten lustig machte, welche sich zu einem Gastmahl um einen Tisch versammelten und gemeinsam – unter ihnen Aristophanes, Sokrates und Diotima – über Eros, Liebe und der damit einhergehenden mythologischen Weltwerdung debattieren. Der damalige Autor, Platon, schuf mit dem Protokoll, das er aufsetzte, ein literarisches Werk von Weltrang.

Nicht minder erging es Gargantua. Seine Leistungen beim Essen beeindruckten nicht nur die damalige Welt. Noch heute lassen sie manchen übergewichtigen Schlemmerer vor Neid erblassen. Dessen Bauch wölbt sich ins Ungesunde, während er die Seiten liest, die beschreiben, was der Dicke aus dem gut betuchten Schlemmerfrankreich von damals am Tage alles in sich hinein schob, um zu überleben und dem Hunger einen Riegel zu schieben. Seine tonnenschweren Mahlzeiten dienen heute noch jenen, die mehr Gewicht in ihren Bauch als in den Verstand legen, als erstrebenswertes Vorbild, wenn es darum geht, zusätzlichen Speise- und Fettballast in den eigenen Leib zu schieben.

Ein weiterer Autor schrieb sich ebenfalls in die Weltgeschichte ein mit dem, was er seinen Gästen vorsetzte, zumutete und unverdrossen präsentierte. Trimalchio lud zum Gastmahl ein. Die Geladenen kamen und liessen es sich an einer üppig geladenen Tafel wohl ergehen. Sie konnten nicht genug bekommen. Der Hausherr liess nachschieben. Bis in den heutigen Tag hinein dringt sein ungeduldiger Ruf „Schneid! Schneid!“, mit dem er den Trancheur Carpus zur Eile antrieb. Der Schnitter schlug seine Messer in die Tranchen, so dass sich die Gästeschar an den mundgerecht geteilten Fleischstücken laben konnte, ohne dass dabei viel Energie aufgewendet werden musste.

Fortsetzung

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