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Zee one hundert forty-six

 

„Schuhe, meine Herren und Damen, sind nicht gleich Schuhe. Es gibt solche, die passen auf diesen Tisch, und es gibt es solche, die sitzen locker am Fuss, so dass sie leicht angezogen und abgezogen werden können, meine Herren und Damen. Würde ich ohne einen Schuh auf diesem Tisch stehen, wer könnte mir dann wohl den Schuh abstreifen? Wir beide sehen die Gefahr ganz deutlich! Der Schuh ist ein Schutz. Wenn wir beide noch lange auf diesem Tisch bleiben, dann werden etwelche von euch statt nach der Marone nach meinem Schuh schnappen und mir in den Fuss beissen. Aber nichts da! Kosen und krakeelen, solches tun die Füsse nur unter dem Tisch. Dann, wenn niemand etwas hört oder sieht. Ihr wisst schon, meine Herren, was ich meine. Seelenmassierender Fusssport beim Galadiner, wie dem unseren, taugt erst als Auftakt zum Tanzen, nachdem uns die Marone gestärkt hat! Ohne die Marone läuft an diesem Abend nichts! Das ist völlig klar. Darum wollen wir beide unsere Beine nicht länger auf diesem Tisch zur Schau stellen, sondern uns von diesem schwingen, so dass der Platz frei wird für neue Entdeckungen. Für das, was als Labsal vom Himmel herab steigt und als himmlische Speise zu uns kommt. Den Wind, den ihr uns andichtet, schreibt ihn in eure Fahnen und lasst sie zu unserer Festfreude flattern!“

„Diesem Wunsch schliesse ich mich an. Den Wind schlagt euch jetzt aus den Segeln, denn es wird aufgetischt. Die Marone soll als Himmelsschiff herein segeln. Hebt die Gläser, wir wollen anstossen, um den Schmaus zu beginnen.“

Wir erheben uns. Sogar Wilhelm steht auf, krächzend, so wie wir ihn an diesem Abend kennen gelernt haben. Ein weiteres Mal führen wir uns die Gläser zu und stossen mit viel Lärm an.

Doch um die Segel zu hissen, die uns weiter bringen soll, um beim Bild zu bleiben, das über dem Tisch aufgeworfen wurde, steigen die Beiden nicht vom Tisch herab, sondern recken sich, das Glas in der Hand, zur Decke hinauf, wie um nach einem unsichtbaren Köder zu greifen. Die Bewegung führt dazu, dass der Rock Arigias leicht die Schenkel hinauf rutscht und die Socken Gründers nun sichtbar werden: dunkle, passend zum Schuh, ungestreift.

Die Geste der zwei spannt die Körper, als befänden sie sich in höchster Erregung, wie sie nur der Liebesakt erreicht, der zwei Leiber vereinigt. Die Decke hängt hoch. Die Beiden müssen sich anstrengen und geraten fast ins Schnaufen.

Wir stehen gebannt um die Szenerie. Wer Unschuldiges denkt, kommt nicht auf seine Rechnung. Das steckt mir meine beste Freundin zu.

Ein seltsamer Anblick, der irgendwie zwischen Himmel und Erde hängt. Unbegreiflich und doch so vertraut. Starke Beine, schöner Ausschnitt, ein Fest der Lust. Der Mann könnte sich aus der Figur lösen und einen Tanz hinwerfen, die Frau mit sich führen. Tun sie aber beide nicht.

Fortsetzung

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