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Mehr Mehrwert in unsere heutige Nahrungskette hinein zu bringen, werden wir verbal nicht schaffen. Schmalz als billige Butterschmiere mag zwar die Marone schmackhafter und gesunder braten und erscheinen lassen als abgestandenes Fett. Besser wird der Braten aber doch nicht, auch wenn wir wacker dieses Schmalz in unsere Worte legen, damit sie besser durch die Kehle gleiten.

Kaspar Giger zupft seinen Seidenschal zurecht, vermutlich weil der Hunger ihm die Kehle packt und diese zuschnürt.

Schöne Aussichten, murmelt Kunigunde.

Das bringt mich auf einen Gedanken. Stabreimende Hexengesänge als Nachtmahr, will sagen: Nachtmahl werde ich bald meiner Tischgemeinschaft auftischen. Ich, die Schreibende. Hexengesänge, welche die Geister beschwören, damit sie uns einen grossen, dampfenden Kessel mit Speis und Trank über einem Feuer auf unseren Tisch setzen. Die Kelle würden wir uns weiter reichen, um aus diesem Topf zu schöpfen, der uns Tropf für Tropf satt macht. Den Talg streichen wir auf hartes Brot. Indem wir uns gegenseitig helfen, werden wir überleben. Hexengesänge?

Wir sind wirklich tief hinab geglitten. Stabreimend, als letzte Rettung, soll ich meinen Bericht, meine Chronik weiter führen und das Ende der Hungers herauf beschwören. Nur weil Kunigunde einen germanischen Namen trägt und ich ihr diese Reime in den Mund lege.

Die Marone schlägt wirklich nach verschiedenen Seiten aus. Wie ein Pendel, der ausser Kontrolle ist. Sein Schlagen soll ich mit Reimen abbremsen. Dem Schlag mit Stabreim begegnen. Stabreime an die Marone hängen und sie auf diese Weise herbei zaubern. Mandeln, Meerrettich, Marmelade, Muttermilch, Mutzentatzen, Mehlwürmer, Maschwerk. Die anderen zaudern damit, all die Herren und Damen in unserer Runde, mir mit Reimen zur Hand zu gehen.

Kunststück: Der Hunger gräbt. Das Loch im Magen wächst. Unsere Gemeinschaft sinkt auf den Tiefpunkt der Speisemoral. Die Geselligkeit verkocht im Topf der Unlust. Dem Speiselokal mangelt es wirklich an allen Ecken und Enden an sinnlichen Appetithäppchen, kulinarischen Küsschen aus der Küche, mundgerecht filetierten fingerfertigen Schnappfresssnacks oder, um es kurz zu sagen: an anmutiger Küchenpoesie. Diese erweist sich als absolut notwendig, wenn es darum geht, anständige Nahrung zu generieren, geistige, versteht sich.

Fortsetzung

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