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zdq Willen

 

Nicht doch! Die Eier esse ich, sofern sie aufgetischt werden und nicht an ihrem Orte hängen bleiben, am liebsten und eigentlich ausschliesslich in Form von Majonäse. Man muss flexibel sein, das heisst, der Magen darf nicht nervös werden, indem er durch Rohkost in Aufregung versetzt wird. Und natürlich auch nicht, indem er nichts zum Verdauen erhält. Man muss ruhig bleiben. Das macht die Stärke von uns Flexitanern aus. An einem Tag Karnivor, am anderen Vegetarier. Ich liebe den Wechsel. Das weiss mein lieber Plexus am besten. An einem Tag esse ich keusch Fleisch, an einem anderen kein Fleisch und am dritten überhaupt nichts. Heute ist der dritte Tag. Also weder Fisch noch Fleisch. Und der Tag dauert an. Der Verlust wird nicht gross sein, denn es gibt eh nichts zu essen. Eines ist aber sicher: Manchmal muss man seine Zähne, wenn sich die Gelegenheit bietet, einfach ins Fleisch schlagen, um sie an einem anderen Tag wiederum nur an Sahne zu messen. Wir Flexitaner können uns durchaus sittlich verhalten, wenn es darum geht, wie man sich gehaben muss, wenn sich auf den Tellern einfach nichts tut und keine Speis sich einfindet. Unsere Zurückhaltung ist natürlich sofort dahin, wenn tatsächlich ganz plötzlich und unverhofft auf dem Teller eine Marone in ausgewachsener Form erscheint, wie durch Zauberhand befördert. Wir Flexitarier werden keinen Schrei vor Überraschung ausstossen, sondern still zugreifen und speisen. Die Lust kommt mit dem Geniessen.

Also, mein Lieber, wenn uns jetzt eine Marone gebraten und nicht eingemacht aufgetischt wird, dann muss ich passen. Ich bestelle mir dann eine Dose mit industriell verarbeitetem und gereinigtem Schlagrahm. Den drück ich mir zwischen die Lippen und das wird mir bekommen. Eine Marone, für sich belassen, die nicht kräftig durch eine Maschine gepresst wurde, die passt einfach nicht in meine Welt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man uns einen Marburger auftischt, also einen Maronenburger, in welchem ein total eingebreites Maronenhacksteak steckt, das mit Ketchup und Eierpüree veredelt wurde. Wenn schon, dann aber bitte das Ganze ohne Salatblatt.

Es ist wirklich an der Zeit, dass aufgetragen wird. Sonst präsentierst du uns noch als aquatisches Austernsandwich aus der See ein gut durchgekochtes und feingemahlenes Steinhacksteak, das zwischen zwei Meringeschalen steckt.

Steine esse ich nicht.

Ich habe meine Wünsche bereits so tief hinab gesetzt, dass ich gar nicht mehr weiss, ob ich nun Plektarier, Flexitarier, Veganer, Pescetarier oder Karnivor bin. Ich werde mich schon zufrieden geben, wenn mir eine in Salzlake eingelegte Marone serviert wird, die von einem Kranz aus Salzgurken umgeben ist.

Eine in Lakritze eingerollte, maronengestopfte Garnele würde mir genügen.

Und das Ganze zeitgemäss und zeitsparend im Mikrowellenofen aufgewärmt. Sonst bringt man einen derartigen Leckerbissen nicht hinunter, wie sehr man an ihm auch herum würgt.

Fortsetzung

 

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