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zcy in memoriam Jean Cabut „Cabu“

 

Das Geschriebene darf unsere Konversation nicht einschränken. Was ich nicht im ersten Moment aufnehme, ist für die Chronik verloren. Die Leute sollen sich also deutlich ausdrücken und gut artikulieren, wenn sie wollen, dass ihre Beiträge zum Gespräch in die Chronik einfliessen. Das sage ich mir. Mich selbstverpflichtend, bestimme ich, dass ich mich genau an das halte, was ich eben als Leitlinie für meine mir aufgetragene Arbeit festgesetzt habe.

Ich habe noch die Qual, was meinen Sitznachbarn zur Rechten betrifft. Diese Wahl ist noch nicht gefällt. Diesbezüglich werde ich auf die Folter gespannt, denn statt dass sich die noch Stehenden setzen, ist wieder eine von diesen belastenden Diskussionen entbrannt. Setzest du dich neben ihm; ich lasse dir den Vortritt; Ladies First; neben dir würde es mir gefallen, wer wird dann aber neben dir auf der anderen Seite sitzen; wenn wir in eine Ecke sitzen, haben wir das Problem nicht; Halt! Absprachen sind verboten; Paare müssen getrennt werden; man will schliesslich auch die anderen kennen lernen; man will sich besser kennen lernen; wo denn sonst, wenn nicht am Tisch; also, ich bin lieber nicht in der Mitte. Ich bin dann akustisch im Sandwich; kommt das „Ich“ eigentlich zurück; beantwortet die Gesamtzahl der verfügbaren Plätze diese Frage; sobald wir alle sitze, werden wir es wissen; sitzen, das ist gut, nur sollte jemand von uns damit beginnen; wir sitzen; wenn ich mich in diese Ecke setze, habe ich es zu weit mit dem Griff nach der Flasche; wir sind auch da, wenn es darum geht, dir nachzuschenken. Du musst uns nur fragen; heute Abend wird die Lampe nicht gefüllt; will ich nicht, aber nachschenken schon; hier ist noch niemand verdurstet; Kunststück, das Lokal hat eben erst geöffnet; wie lange müssen wir sitzen, bis uns endlich was zum Trinken serviert wird; Kinderkrankheiten; Kinder ja, Wein nein, wir sind kein Kindergarten; oh doch, sie sollen sich endlich setzen und ihr kindisches Treiben über das Sich-Setzen beenden; was für ein Theater! Theater ist schon besser, denn in einem solchen gibt es Champagner; man hört’s, wir sollen uns setzen; und nicht reden; tun wir auch nicht; wir beraten und ratschlagen; ein Braten; ein lecker, zarter Braten; die nötigen uns mit dem Essen; setzen! Setzen! die wollen, dass wir uns setzen; also machen wir uns daran; an die Arbeit, Leute! Machen ist gut; niemand von uns macht auch nur Anstalt, sich zu setzen; wir könnten hier ewig stehen; es steht sich hier so gut; so weit, so tut, es ist Zeit, dass sich etwas tut; ich möchte das Stehen nicht missen; mir dir redet es sich gut; auch stehend; mir tun langsam die Beine weh; also ein weiterer Grund neben dem Essen, sich zu setzen; aber wer sitzt nur wo; keine Paare; keine Verliebten; wer; welche; wo; also bitte, Geheimnisse bleiben Geheimnisse auch an diesem Ort; solange die Arithmetik des Sitzens nicht durcheinander gebracht wird;

Fortsetzung

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