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Ich, die Schreibende, will aber nicht klagen. Denn hier hat sich wirklich eine interessante Gemeinde versammelt, auch wenn Janie nicht viel über sich selber Preis gibt. Das wird aber noch werden. Dessen bin ich mir sicher. Meine beste Freundin rät mir, meine inquisitorischen Fragen an Janie einzustellen. Solches Insistieren verderbe die Stimmung. Wir wollen feiern und zusammen sein. Jedem seinen Platz, jedem sein Pläsierchen: So gelingt die ganze Sache. Einverstanden. Jedem seine Freiheit. Aber jedem auch sein Glas. Endlich können wir den Toast anbringen, den Gründer lautstark gefordert hat. Für uns Frauen. Wir Frauen halten zusammen. Dazu braucht es keine Mannenworte. Verpackt in altbackene Floskeln.

Wir wahren den Frieden des Abends, stossen auf den grossspurigen Toast Gründers an und lachen gleichzeitig, indem wir einen entsprechenden verbalen Informationshieb hinüber zu den Männern austeilen: Was ist der Mann ohne die Frau? Antwort: Eine Baustelle.

Grosses Gelächter. Wir Frauen dürfen es nicht zu weit treiben. Das könnte die Männer verdriessen und Gründer die Sprache verschlagen. Die Worte würden ihm in seiner Not ausbleiben und die Not dazu führen, dass die vielbegehrte Marone weiterhin genüsslich den Ausstand pflegt; auch wenn eine mastige Marone nicht wirklich das ist, wonach uns Frauen kulinarisch das Herz steht, und uns, meint meine beste Freundin, zu sinnlichen Höhenflügen treibt.

Aber manchmal müssen Frauen etwas zurückstecken, wenn Männer Grosses, und ist es auch nur eine kleine Marone, organisieren.

Leider steht der überdicke Wilhelm nicht weit von mir und hat mit angehört, was ich eben gesagt habe. Eine dumme Sache! Ich muss aber seine Replik wohl wiedergeben. Manchmal sollte ich wirklich besser den Mund halten, wegen der Peinlichkeit muss ich fast schreiben: das Maul halten – und mich darauf beschränken, mich diskret und abseits fremder Ohren mit meiner besten Freundin auszutauschen.

„Die Wissenschaft“, wurmt mich der Dicke an, mich nicht nur mit seinen Worten, sondern auch noch mit seinem ausladenden Bauch bedrängend, „im Gegensatz“, er setzt zu einer umfangreichen Ansprache an, wie all die Männer, die viel reden, aber nichts zu sagen haben, sondern uns Frauen imponieren wollen, ich lobe mir unsere Janie, die sachlich bleibt und nicht langfädig um den Brei herum spricht, sondern sofort auf den Punkt kommt und so das Ziel auch erreicht, „zur Gesellschaft“ – das alles interessiert uns nicht, was der gescheiten Worte noch mehr kommen sollen! Haben jetzt anderes zu tun. Wir halten mit einem grossen Prosit unsere Gläser hoch und stossen auf uns Frauen an. Der Toast ist gesetzt.

Kraft der Chronikerin! Sie kann in das eingreifen, was sie wiedergibt, wann und wie sie will. Die mir anvertraute Aufgabe sollte ich aber nicht zu sehr hinterfragen. Ich habe sie angenommen, zugesagt und muss nun dafür gerade stehen, vielmehr beim Schreiben den Rücken bücken. An sich selbst grübeln lohnt sich jetzt nicht. Ich habe mich in diese Geschichte geschickt, sie ist voll im Gang und es gibt nur noch ein Ziel: Das Geheimnis der Marone klären.

Fortsetzung

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