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zbr leben

 

Solche Abende liebe ich. Unter den Menschen Mensch sein zu dürfen, ohne dass man sich wirklich zu nahe tritt, sich aber dennoch trifft, ich meine damit die Ellenbogen die Brust. Unsere Runde will ich, weil ich nicht über Kaspars Rhetorik verfüge, mit schlichten Worten ganz einfach als einen grossen Glücksfall bezeichnen.

Und jetzt kommt auch noch der Schachspieler an die Theke, Kabar, wie er heisst. Das heisst, da sind nun noch mehr Leute, die ich auseinander halten muss.

Vermutlich hat meine beste Freundin etwas in diese Richtung gesagt. Sie verspürt Mitleid mit mir.

Kabar will sich was für seine Begleiterin Jette holen und vermutlich auch für sich.

Er schaut meine beste Freundin an.

An diesem Abend geht alles so schnell.

 

Vorfreude

 

Es ist wirklich schwierig, alles auseinander zu halten: wer was wann wo mit wem und warum bespricht. Darum wird es eine Bemerkung meiner Freundin gewesen sein, die Kabar aufgeschnappt hat. Sie könnte aber auch von jemand anderem stammen. Es ist mir entwischt, wer da was gesagt hat. Ich lasse anscheinend in der Wahrnehmung meiner Pflicht etwas nach. Leicht wird es mir aber nicht gemacht. Alles spricht durcheinander. Trotzdem muss ich präzis bleiben in dem, was ich aufnehme. Ich muss gewissenhaft dran bleiben. Ich schwimme im Strom mit, der durch dieses Lokal zieht. Ich werde mitgeschwemmt. Ich versuche, mich zu besinnen. Ich schreibe ganz einfach: Kabar, der Schachspieler ist an die Theke getreten und er wird sofort gefragt, nachdem er für Jette und sich bestellt hat, wie er es mit der Vielzahl der Gäste und ihren Namen hält. Als guter Schachspieler verfügt er mit Sicherheit über ein gutes Gedächtnis. Ihm wird es keine Schwierigkeiten bereiten, die neuen Namen aufzunehmen und richtig zuzuordnen.

Ja, sicher, mit der Vielzahl der Züge, die im Schach gespielt werden, könne die Fünfzehnerzahl der Gäste nicht mithalten. Fünfzehn Personen stellen noch eine übersichtliche Menge dar, die Übersicht müsse möglich sein.

Er brauche nicht zu übertreiben. Mit dem Schach sei es auch nicht so weit. Auf dem Brett ständen für die Spieler lediglich zweiunddreissig Figuren bereit und viele davon dazu noch im Doppel oder sogar in mehrfacher Ausführung. Pferde habe es bereits vier und sogar bei Dame und König bestehe eine Auswahl. Zusammengerechnet ständen auf dem Schachbrett lediglich sechs verschiedene Figuren. Da sei diese Stube mit ihren fünfzehn Köpfen wirklich besser bestückt.

Das Schach beschränke sich auf schwarz und weiss. Nicht einmal mit den Farben übertreffe das Schach das Lokal, in welchem Frauen und Männer ganz unterschiedlich gekleidet zusammen stehen und viel durchmischter wirkten als die Figuren des Brettes mitten während eines Spieles.

Pferd, Königin, Bauer, Läufer, Turm und König, die könne jeder auseinander halten. Das mit den Namen hingegen sei eine ganz andere Sache.

Jeden Tag stosse man auf neue Menschen, deren Namen man sich merken müsse, geht es weiter.

Ob er ein Geheimrezept kenne, das das Gedächtnis befähige, sich die Namen und die dazu gehörenden Köpfe besser zu merken?

So etwas wie eine Eselsbrücke?

Quasi das Öl und den Essig zum Salat.

Apropos! Wie weit sei es noch bis zum Essen?

Hoffentlich nicht die Länge eines ganzen, langweiligen Schachspiels.

Man könne den König umwerfen und das Spiel ist aus.

Man könne dann endlich zu den Maronen schreiten.

Wo die gebraten werden?

Stimmt, es liegt kein Duft von Marone in der Luft.

Wir schauen uns um. Es gelingt uns nicht, irgendwo einen Ort auszumachen, der dazu geeignet wäre, Maronis zu braten. Von draussen gucken immer noch etwelche Leute herein.

„Etwa auf der Strasse? Die werden wohl eine Bratkanone vor das Fenster schieben und wir werden zusehen können, wie der Herr Sie Schuster die Maronen hin und her wendet und sich dabei die Finger verbrennt.“

Fortsetzung

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