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Und er stösst sein Glas mit uns an.

„Das ist eine wunderbare Idee.“

„Aber dennoch: Die Weine durchmischen sich nicht.“

„Das stimmt.“

„Wir könnten die Gläser tauschen.“

Keine gute Idee, denn dann muss ich Wein trinken und meine Konzentration ist dahin und damit meine Fähigkeit, seriös eine Abschrift von dem zu erstellen, was hier geschieht. Ich sage vorerst nichts. Aber die feste Absicht, mich zur Wehr zu setzen, wenn man mir ein solches Glas zuspielen sollte, bleibt intakt.

„Das ist ganz klar, dass wir den Wein nicht mischen werden. Wir stossen mit ihm an. Aber der Wein ist von seiner Herkunft her bereits ein Gemisch von vielen tausend Trauben. Und der Trauben gibt es nicht nur eine Sorte, sondern derer viele. Wäre dem nicht so, bildete die Weinwissenschaft ein langweiliges Konstrukt und der Wein selber wäre das langweiligste Gebilde, das an sich selber stirbt. Die reiche Vielfalt der Sorten der Weine führt zur Leidenschaft, die den Wein derart begehrenswert macht und solcherart zu Leben erweckt, dass die einen Menschen wegen der Kraft, die in ihm steckt, vor ihm Angst habt und zwar all jene, die ihn aus welcher Überlegung auch immer verbieten. Andere erheben ihn zum Gott. Sie geniessen ihn in den verschiedensten Farbtönen. Und das gilt auch für den Menschen. Die einen beschränken sich auf einen Wein, den sie seit langem kennen, seiner Qualität vertrauen und der ihnen an Herz und Leber gewachsen ist, den sie immer wieder genüsslich teilen. Andere hingegen ziehen das wechselnde Bouquet vor, das ihnen die ganze Vielfalt, die aus den Reben gewonnen wird, offenbart und sie in das kaum auszudenkende Gefilde neuer Entdeckungen führt. Jeden Abend einen anderen Wein. Andere führen jeden Abend eine andere Frau, einen anderen Kerl aus. Ich ziehe beim Wechsel den Wein vor. Der ist um einiges weniger anstrengend als der stete Partnerwechsel. Der Genuss des Weines ist als sinnliche Angelegenheit durchaus nicht zu verachten. Der Wein öffnet die Poren des Gaumens. Die Traube führt zur Vielfalt. Und wie wäre dem, wenn wir eine einzige Traubensorte über alle anderen erheben würden? Uns würde der grösste Genuss der Welt verloren gehen. Die verschieden Traubensorten führen dazu, dass das Edle des Weins sich in den verschiedenen Weinen finden. Arische Selbsterhaltung führt zu Inzest und somit zu schlechtem Wein. Auf den Wein und seine Vielfalt stosse ich an zu Ehren der Trauben, aus denen er gemischt wird.“

Fortsetzung

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