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zbl Lohn

 

Kurt Schuster, auch er pflichtbewusst, schenkt bei zwei Gläsern nach. Einen B52 schüttet man nicht auf, den trinkt man fertig. Ich bestelle zwischendurch ein „neutrales Wasser mit“. Als Berichterstatterin muss ich nüchtern wiedergeben, was ich aufnehme und gleichzeitig die Übersicht wahren. Ein alkoholgetränkter Dämmerzustand wäre wenig dienlich, um Sicht, Verstand und Ohr auf vorderfrau zu halten.

Meiner besten Freundin spritzt Kurt Schuster einen Schluck Marnier nach. Die Dame des Hauses gibt sich mit einem kleinen Prosecco zufrieden, und zwar wirklich klein, schmal, aber lang.

Wir fordern auch den Siezer auf, sich etwas einzuschenken. Für einmal schlägt er sich auf unsere Seite, mit Wasser. Wir haben Verständnis. Hinter der Theke nimmt er wirklich ein schweres Amt wahr. Gleichzeitig muss er das Du von sich fern halten. Er hat es nicht einfach. Darin sind wir uns einig.

Also, wie ich jetzt die Übersicht über alles habe, was serviert wurde, dann muss ich wirklich fest halten, dass sich auf der Theke ein rechtes Kunterbunt an Mit und Ohne befindet. Dort perlen zwei Gläser, eines mit Schaum, das andere ohne. Das eine Glas enthält ein klares Getränk: Wein. Ein anderes ist mit einem farbenfreudigen Gemisch durchsetzt: ein Drink. Was mich zur Frage führt: Darf man mit Wasser und Wein anstossen und dazwischen noch einen Likör setzen? Da ist überhaupt keine Einheit, auch man die Gläser klingen lassen kann!

Mein Sujet wird dankbar aufgenommen. Wir kommen überein, dass wir für einmal, des besonderen Abends wegen, das Etikett sein lassen und uns den Regelbruch erlauben. Wir heben die Gläser – von den anderen sind etliche zu uns gestossen – und wollen anstossen, haben aber die Rechnung ohne Kaspar gemacht: „Dieser Wein, den ich vor mir habe, ist ein ganz besonderer Saft. Ich bin bereit, sogar mit Wasser anzustossen, weil er, unser Herr Sie, wie wir es zur Genüge erfahren haben, grosse Verantwortung trägt und darum nüchtern bleiben will. Ich muss es aber als grobfahrlässig bezeichnen, wenn ich mit einem Getränk anstosse, das mit meinem Wein wesensverwandt ist, ihm aber doch nicht gleicht. Es ist, wie wenn ich als Mensch Steine küssen würde.“

Kaspar hält sein Glas hoch und zugleich weg von den übrigen, die sich in der Mitte treffen.

„Was soll das? Wir haben doch abgemacht, dass wir anstossen.“

„Aber nicht so.“

Fortsetzung

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