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zbj Wenige

 

„An diesem Ort gibt es keine Geheimnisse“, verkündet Fussg und setzt dann noch ganz frech hinzu: „Wir werden hier auch noch das letzte Geheimnis aufdecken, nämlich das Geheimnis der Marone und warum Leute in solchen karnevalesken Kleidern zugegen sind. Aber erst wird uns der Herr hier erklären müssen, warum er sich partout gegen das Du wehrt. Es wirkt beinahe schon aufdringlich, wie er sich gegen diese Intimität stemmt. Herr Schuster, was haben Sie gegen das Du? Wir wollen uns ja nicht zu nahe, so nahe kommen, dass wir uns berühren. Wir wollen uns nur verbal anschmiegen. Das ist alles. Warum also das Nein zum Du, Herr Schuster?“

Dieser Herr Schuster, Kurt zum Vornamen, dessen Umsetzung in das verknüpfende Pronomen „du“ er uns vorenthält und grammatikalisch-höflich eine klinische Distanz zu uns unterhält, drückt, macht und tut, als wäre er nicht ein Drittel des Hauses.

Dass es immer wieder solche Dickköpfe gibt, die mit ihrer Engstirnigkeit derart alles vermasseln wollen und es trotzdem immer wieder schaffen, an einen solchen Ort wie diesem Eröffnungsabend aufzutauchen!

Und jetzt hat der Kerl noch die Frechheit zu erklären: „Meine Damen und Herren, mit obliegt es, für die Würde diese Hauses einzustehen.“ Ja, ungefähr in diesen Worten sagt er das: „Die Würde des Hauses einzustehen.“

Fussg lächelt in sich hinein, meine beste Freundin staunt und Kaspar schüttelt den Kopf.

„Ihr seid mir ein schönes Trio“, sagt dieser nun – und: „Ich hoffe, dass das mit der Marone nicht ebenfalls eine solch ernste Angelegenheit sein wird. Diese wäre sicher sehr trocken, wenn sie sich an unserem Keeper ein Beispiel nehmen würde.“

„Jemand muss hier die Ordnung wahren“, kommt es von hinter der Theke zurück. Er beharrt auf seinem Standpunkt: „Das Sie schützt das Geheimnis des Tisches.“

„Wenigstens gut gesagt. Auch wenn sich das Geheimnis bald aufdecken und mit ihm das Sie fallen wird.“

Ich glaube, für das Protokoll ist es nicht wichtig, wer diese Bemerkung eben geliefert hat. Wichtig ist hingegen, dass sie im Protokoll aufgenommen wird.

Der Kerl schaut uns tatsächlich etwas quadriert an.

„Wir sind hier eine Gemeinschaft und gemeinsam wollen wir diese Marone überleben. Warum sollten wir uns also mit dem Du bei dem Herrn schwertun?“, meint Fussg.

„An dem Du habe ich mir die Zähne schon ausgebissen.“ An die Theke heran getreten ist von den drei Eignern die Dame des Hauses.

„Aber mein lieber Rumpelpunzel will einfach nicht nachgeben.“

„Ist das ein allersüssester Name.“ Das kommt von einer der drei Frauen, die der Hausdame gefolgt ist und sich vom Dicken getrennt hat. Vermutlich befindet auch sie sich wie wir beide, meine beste Freundin und ich, auf Erkundungsfahrt.

Fortsetzung

 

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