sch-ach-yq-folgt

yq folg

 

Zuversichtlich schaute Gründer Schnaptepürä in den Spiegel und schnippte mit dem Rasierer ein bei der Rasur übersehenes und auf dem Kinn zurück gebliebenes Barthaar weg. Keck wie das neue spritzige Getränk für die Bar kämmte Gründer Schnaptepürä mit kühnem Blick in den frech zurück blickenden Spiegel sein geschmeidiges Haar. Besann sich aber dann eines Besseren.

Mit dem Gemüse eilte es nicht. Auch wenn dieses ihn in Hochstimmung versetzte. Es galt, das Hochgefühl nun gut einzusetzen und zwar nicht, indem er sich aufmachte, um die verschiedenen Einkaufsgeschäfte nach frischem Gemüse abzuklappern, um in dem einen oder anderen Geschäft vielleicht einen besonders leckeren Kardone-Stängel aufzutreiben. Vielmehr entschied sich der neu Erstandene, den Elan in seine künstlerische Produktion einfliessen zu lassen.

Welches Feld hatte er in letzter Zeit vernachlässigt? Er dachte natürlich an seine zahlreichen Gräber. Diese liess er aber rechts liegen und wandte sich jener Seite zu, auf der in grossen Lettern Literatur geschrieben stand.

Gründer Schnaptepürä verliess Badezimmer, Schmink- und Rasiertisch und begab sich in das Zimmer, wo er jenen Roman aufbewahrte, dessen letzten Teil er eben neu schrieb. Ein abgründig tiefes Ende schloss das gewaltige Werk ab, voller gedankenschwerer Depression und herauf beschworener Verzweiflung. Mit der so gesehen enttäuschenden Leistung des liebeskranken, weltironisierenden Autors, der sein Buch vermutlich in die eigene, triste Trübsal versenkte, konnte sich Gründer Schnaptepürä gar nicht einverstanden erklären und anfreunden. Wenigstens schien der wackere Schreiber aus dem substanziellen Leben, dem Anschein nach dem eigenen, geschöpft zu haben, dies im Gegensatz zu allen schreibeifrigen Autoren, welche in ihren gekünstelten Krimis Mord und Todschlag Tor und Tür öffneten. Diese gut verkauften Bücher verhielten sich zur Wirklichkeit ungefähr so wie die Ehrlichkeit zu Nummernkonten.

Dennoch zeigte sich Gründer Schnaptepürä im vorliegenden Fall überzeugt, dass die Anstrengung, die ersten vierhundert Seiten zu schreiben, ein besseres Resultat verdiente als das herbei gezauberte Desaster, das das Ende bot. Das Werk bedurfte eines kräftigen geistigen Zuschusses in Form einer gründlichen Umarbeitung und einer tiefgehenden Neuinterpretation.

Wenn er, Gründer Schnaptepürä, mit der gleichen Einstellung an den Braten – wie jener schwarzsehende, trübsinnige Autor an sein Buch – heran ging, dann konnte aus diesem Braten, den die Bar „Wasser, Wein und Frucht“ versprach und unter die Leute bringen wollte, nur eine wiehernde Laus entstehen, die sich im Aschenbecher übergab. Auch tausend Läuse füllen einen Aschenbecher, sagte sich Gründer Schnaptepürä. Er wollte nicht ständig überquellende Aschenbecher löschen, indem er den unfreundlichen Inhalt dem Abfall übergab.

Fortsetzung

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Sch_ach

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s