sch-ach-yc-Eitelkeit

yc Eitelkeit

 

Wieder tönte es durch das Lokal, er solle jetzt sein Maul halten und nicht einen lendenstarken Maulhelden spielen. Er sei nicht originell. Ob Fleischverächter oder Fleischgeniesser, diesen Wettstreit wolle man nicht an diesem Abend und nicht an diesem Ort entscheiden. Wenn jemand wirklich Hunger habe, so wie man ihn nur beim Verhungern haben könne, der beisse auch in einen angefaulten Apfel. Und wenn jemand Durst verspüre, mache er notfalls auch nicht vor Wasser halt, in welchem eine Fliege schwimme, um diesen zu löschen.

Die Stimmung wechselte nicht im Lokal, verharrte auf ihrem Hoch, die angegangenen Themen jedoch schon. Die Diskussionen tönte etwas lauter. Noch etwas zurück geschraubt wurde in seiner Stärke das Licht. Die Körper rückten zusammen, aber nicht zu sehr, so dass man sich doch kaum berührte, und wenn dann schon, dann nur knapp, wenn jemand vorbei drängte. Näher zueinander, damit man sich besser hörte. Die Atmosphäre schaltete auf Tuareg: Wenig Licht, umgeben von warmen Farben und vielen Schattierungen, die sich über die Gesichter legten und verteilten.

Wie eine Zauberin zog Arigia Wolgmut ihre Runden, ihre weiteren und engeren Kreise, hinterliess ihren magischen Appeal in zahlreichen glänzenden Augen, welche ihren Gang auf dem Gang durch das Lokal aufmerksam verfolgten – wie mit aufgesetzter Lupe. Arigia entschied sich an dem Abend für niemanden, liess ihre Freundlichkeiten allen zukommen. Viele entschieden sich aber für sie. Doch sie zollte diesen Entscheiden keine Beachtung. Sie hielt sich an niemanden und schliesslich auch niemand an sie.

Sie zog arbeitsam wie eine Biene durch das Lokal, obwohl sie sich nichts von Arbeit ansehen liess, weil sie im Grund nicht an der Arbeit war, sondern lediglich mit ihren äusseren Reizen die Spannung bei den Männern und den sie begleitenden Frauen aufrecht hielt, die Spannung, die den Abend verkürzt und sich zusehends in Ästhetik wandelt. Arigia Wolgmut wurde umworben. Gleichzeitig war sie für die Bewunderung, die ihr zuteil wurde, dankbar. Solches kann aber nicht Arbeit genannt werden. Sie warb vielmehr für das Lokal, ohne angestellt zu sein, wie viele andere auch für das Lokal und seine Aura einstanden, indem sie dieses mit ihrer Präsenz ehrten und die Vegetarier in ihren Theorien stehen liessen. Denn das Fleisch besitzt auch seine Schönheit, nicht nur auf dem Teller.

Fortsetzung

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