sch-ach-xx-getreten

xx getreten

 

Vladidir pflichtete wortreich bei. Den Blumenkohl und die Broccoli nehme er aus Gewissensüberzeugung vom Verzehr aus, denn eines oder beides zu essen und dieses gelte für beides, käme einem Mord gleich. Denn er, Vladidir, er hob das Kinn, um seinem Wort Nachdruck zu verleihen, wolle keiner Made noch einer Raupe ihren Wohnraum stehlen. Dies Gemüse sei den edelsten Tieren ihr Zuhause. Dieses zu zerstören, komme einem Massenmord gleich. Denn man wisse nie mit Sicherheit, wie viel Getier ein Blumenkohl im Zeitpunkt seiner Ernte beherberge.

Kein Vegetarier, in seinem eigentlichen Wesen ein überzeugter Tierfreund, wolle dies einem Tier antun: Dessen Anwesen zerstören, pflichtete Wladimir bei. Der Blumenkohl wie ein Broccoli seien ihm darum heilig, erklärte Wladimir.

Vladidir meinte, Wladimir sei zu sehr an Äusserlichkeiten angebunden und verliere sich darum in den fundamentalistisch geführten Debatten über Vegetarismus. Denn die Vegetarier würden sich in überheblicher Manier über die Rechte der Tiere hinweg setzen, indem sie ihnen die Nahrung weg fressen. Er hingegen gehe mit seiner Wahl den richtigen Weg, auch wenn dies am Ort niemand einsehen wolle. Karnivoren und Vegetaristen gehe er schon seit Jahren erfolgreich aus dem Weg.

Damit hatte es sich für den Augenblick mit diesem Thema.

Von verschiedenen Seiten jagten aus den blitzenden Lichtanlagen Lichtfetzen zu den Takten der Musik über die Runde, jener Musik, die, obwohl schon vielfach abgespielt, immer wieder begeisterte. Ein ganzer Teil der Gäste verharrte in Ruhe und hörte dem Musikstücke zu, wie es sich aufbaute, entwickelte, mit Kopf, Nacken, Schultern und Hüfte die Rhythmen übernehmend und andächtig leicht wippend. Einige tanzten, getrennt oder als Paar.

Die Musik lud viele dazu ein, beim Ton des Evergreens in den eigenen Gedanken zu verweilen. Doch dann donnerte ein aktueller Hit über die Köpfe der besinnlichen Runde hinweg und riss diese in die Gegenwart zurück. Man debattierte wieder miteinander, auch über das Stück, das gerade aus den Boxen krachte.

Als Attraktion der Konversation nahm wieder die Debatte über den Vegetarismus und dessen unheilvolle Auswirkung auf die Tierwelt die Oberhand. Andere Barhocker mischten sich ein. Die beiden, von den Gästen wegen ihrer exzentrischen Auftritte meistgeliebten Vögel, Wladimir und Vladidir, wetteiferten in ihren Voten zum Gaudi der Nachtgänger über die Tierschutzhaltung des Gemüses.

Fortsetzung

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