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„In deinem Chemielabor bist du zureichend von Ungeziefer im Mikroskopformat umgeben und fühlst dich darum nicht allein. Unsereins, Schachspieler, bewegen uns hingegen in ganz anderen Gefilden. Das Schachspiel will, dass es gepflegt gespielt wird. Die geistige Pflege des Schachs kann ein sehr einsames Geschäft sein. Wenn ich auf das Kunterbunt auf dem Schachfeld neben uns sehe, dann kann ich nur feststellen, dass es genau das Gegenteil gibt von dem, was das ideale Spiel ist. Der Schachspieler, der sich eingehend mit seinem Fach befasst, nimmt Abstand von diesem ganzen Zirkus und dessen ganzen unschicklichem Beiwerk.“

Kabar Extas sprach sich wieder einmal in Rage, die sich jedoch an dem Platz an höfischen Anstand hielt und die Grenzen der Schicklichkeit, wie sie das Schachbrett absteckt, nicht überschritt. Wenn es jetzt auf dem Platz zu einem weiteren Skandal gekommen wäre, dann hätte die Schuld für einmal nicht bei Wilhelm Schnepfensskorn gelegen. Als hätte Kabar Extas still für sich solches gedacht, meinte er: „So ist das.“ – und beruhigte sich.

Dafür fuhr Wilhelm Schnepfensskorn weiter: „Allein, sagt du. Einsam, sage ich. Die Einsamkeit des Wissenschafters, die Einsamkeit des Menschen, quasi, das hatten wir schon. Ja, darüber haben wir schon gesprochen. Die Einsamkeit ist aber etwas, das nicht unterschätzt werden darf. Das erzähle ich euch als Dicker, der abends alleine bei sich sitzt. Und wenn er, das bin ich, in diesem präzisen Fall, dann ausgeht, dann sieht er vieles, das mit chemischen Formeln und Mikroskop nicht erfasst werden kann.“

Kabar Extas Kommentar: „Jetzt wirst du sentimental.“

„Och, gehöre ich zu jenen, die den Frauen das Herz brechen, so dass sie heulend vom alten mit dem neuen Freund am Arm davon gehen und der alte das grosse Lied von der Einsamkeit anstimmt? Wenn man nachts durch die Strassen wandert auf der Suche nach neuen Eingebungen, dann sieht man vieles, auch wenn man saudick ist und es nicht sauglatt findet.“

„Was?

„Alles.“

„Das tönt ganz nach dem Stoff in einem Liebesroman mit enttäuschendem Prinzen und so“, lautete diesmal die Bemerkung Kabar Extas.

Fortsetzung

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