sch-ach-tu-heimlich

tu heimlich

Der Engländer gab Ruhe, obwohl er keine der beiden Farben über das Brett führte. Ali Baboo Osama bin Laden tröstete Hans. Eine ganze Reihe neuer Zuschauer zierte den Saum des Spielfeldes. Man trat sich nicht auf die Füsse, stand aber doch dicht an dicht, gezwungen, zuweilen dem Nachbarn über die Schulter zu gucken, wenn sich das Geschehen zwischen den beiden Kontrahenten auf den Steinplatten in eine Ecke der karierten Fläche verschob und dabei ein leises Rumoren unter den Zuschauern auslöste.

Bewirtet war Wilhelm Schnepfensskorn nach wie vor nicht. Zuweilen dauerte es an dem Ort eine Ewigkeit, bis sich die Bedienung durch die Tische hindurch gekämpft hatte, die sehr oft einen sehr schnellen Wechsel der Gäste erfuhren. Links und rechts wurde jeweils bestellt.

Der Neukömmling am Dreiertisch stiess sich anscheinend nicht daran, dass die Bewirtung ausblieb. Denn er fuhr in seinem Reden konsequent weiter:

„Dem Schach vermag ich durchaus ein Lob zu singen.“

„Auch wenn das Singen nie deine Stärke war.“

„Mein Feingefühl ist durchaus empfindlich für das Klavierspiel, das ein Pianist aus seinem Instrument heraus lockt in all den Variationen, die nur möglich sind. Ganz anders der Schachspieler, eigentlich. Der Schachspieler schiebt die Figuren über das Feld, der Klavierspieler zieht seine Finger über die Tasten. Beide spielen auf ihre Weise die Partitur, der sie folgen. Ein Vergleich ist nicht zulässig und doch ist er es. Musik und Schach, meine Lieben, der Unterschied ist nicht so ausgeprägt. Den Schachvirtuosen und den Klaviervirtuosen braucht man nur nebeneinander zu stellen und schon werden die Gemeinsamkeiten sichtbar. Der Pianist und der Schachspieler kämpfen mit einem Gegner. Bei dem einen findet sich dieser im gegnerischen Spieler. Bei dem anderen sind es die Saiten im Rumpf des Instrumentes. Beides, gegnerischer Spieler und Saiten, werden über die Tastatur kontrolliert. Bei dem einem über die Klaviatur, bei dem anderen über die Schachfiguren. Sie müssen zuweilen behutsam geführt werden, zuweilen ist Nachdruck angesagt. Darum sind auf diesem Feld nebenan immer wieder Figuren kaputt. Beide Spieler sind Einzelkämpfer. Teamspieler am selben Instrument sind nicht gefragt. Einer gegen alle, das wollen beide. Der Klavierspieler im Klavierkonzert. Der Schachspieler auf dem Feld nebenan.“

Fortsetzung

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