sch-ach-ts-Schweigen

ts Schweigern

 

„Du hast in deiner Sprache an Schwung zugenommen. Das ist gut. Ich werde mich von deinem Schwung beflügeln lassen und noch mehr gehen.“

„Nun mit den Worten haben Sie bereits abgenommen“, mischte sich Jette Pferd ein. „Hüten Sie sich nur, sonst gehen Sie noch ganz ein.“

„Und flach werden wie ein gut gehobeltes Brett. Wenn dies das Ziel des Abnehmens ist, dann werde ich, solcherart, sogar Ihnen gefallen und Kabar Konkurrenz machen können, was Ihre Zuneigung betrifft, werte Frau. Aber ich will natürlich Kabar, was Sie betrifft, keineswegs zu nahe treten. Er gehört Ihnen. Dessen seien Sie meines Versprechens sicher. Es weckt sowieso ungesunde Wahnvorstellungen in mir, wenn ich daran denke, dass ich auf diesem Platz flach werden soll wie ein Brett, auf welchem man Schachfiguren aufstellt und schiebt. Da lob ich mir meinen Bauch. Der hält mich warm, leistungsfähig und im Gleichgewicht.“

„Von dem Bauch fällt jede Figur runter.“

„Dieser Bauch steht zu seinem Herrn und flösst Ehrfurcht ein. Er steht ebenfalls zu ihm. Solches lässt sich nicht behaupten von dem Brett, das ich eben überschritten habe. Eine kahle Ebene, die keinen Widerstand bietet. Eine nüchterne Aneinanderreihung von Feldern. Nicht einmal das! Von Platten, die auf dem Boden liegen als ein schwarzweisses Kulturgut der Menschheit. Mei! Wie sind die Figuren auseinander gestoben, wie ich durch sie hindurch geschritten bin! Es kam keine zu Fall, denke ich. Welch ein Zufall, und doch nicht. Denn ich schaue genau hin, wo ich hin trete.“

„Solches konnte man genau beobachten. Wenn die Figuren nicht aufgefangen worden wären, dann lägen sie auf dem Boden und das Spiel wäre aus.“

„Eben, man hat die Figuren aufgefangen. Das habe ich bei meinem Gang über das platte Brett hinweg einberechnet. In dem Brett ist nämlich kein Leben. Es ist derart unselbstständig, dass es für sich gesehen zu nichts nutzt. Ein Bauch hingegen lebt. Was an geistiger Wärme und denkerischer Dynamik aus diesen Platten steigt, das findet man nicht einmal im Bisschen Energie, das ein Zündholz von sich gibt, wenn es auf seiner Reibefläche angeschlagen wird. Steinplatten, die in Reih und Glied stehen! Wenn das so einfach wär in der Wissenschaft. Etwas Boden, ein paar Figuren drauf, und schon ist das Kunstwerk fertig, das sich Spiel nennt. Das Spiel kann beginnen, ohne Tiefgang, als ein Vorgang, der von oben betrachtet wird. Überheblich, diese Haltung. Von oben herab, das ist Schach.“

„Deine Liebe zum Schach habe ich nie in Frage gestellt. Denn diese gibt es nicht.“

Fortsetzung

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