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Dennoch bleibt das Streichen der Markhalle, nicht mit neuer, frischer Farbe, sondern mit dem knallharten Rotstift ökonomischer Einfallslosigkeit in den Augen von Boy Cott ein nicht verzeihbarer Frevel, auch wenn in der Stadt die Strassen so peakfein heraus geputzt sind, dass man sich direkt auf sie setzen kann, um Omeletten flach zu schlagen, und  das ganz ohne Teller. So sauber ist diese Stadt.

Die Gastfreundschaft ist direkt auf die Strasse gesetzt, sagen bösen Zungen und meinen, dass genau dieses Bild die Haltung jener Stadtmogulen wiedergibt, welche die Glas- und stahlbewehrte Einrichtung für das unkomplizierte Stelldichein der Stadtbewohner schlossen, um es wertbringenderen Bestimmungen zuzuführen. Andere Städte lassen ihre Stühle stehen. Gemütlich lässt sich am Tisch Gastfreundschaft feiern. Von der Markthalle bleibt nur noch ein leiser Hall, der langsam verklingt. Boy Cott jedoch wird weiter leben.

Und, warum soll sich Boy Cott ärgern und grämen? Die Hallen bilden lediglich eines von vielen Details, die eine Geschichte, die Geschichte einer Stadt ausmachen.

Damit eine Geschichte lebt, ist es absolut notwendig, dass diese mit Details, vielen Details angereichert wird. Töne, Düfte, Gestalten, deren Beschreibung, deren Grösse, deren Wuchs, die Hüfthöhe, die Form, die Bekleidung, mit oder ohne Brille, Augenfarbe, sofern nicht eine Brille diese abdeckt, Haarwuchs, Bart, Haarschnitt, Coiffeur, Hautfarbe – all diese Details, sorgsam aufgelistet und angeführt, führen dazu, dass die in die Geschichte eingefügten Personen greifbar werden. Das Personal beginnt zu leben. Das gilt auch für die Plätze, welche überall auf der Welt zu finden sind.

All diese Details lassen sich in eine Erzählung einfügen. Lassen sich, müssen aber nicht. Diese beschreibenden Einzelelemente können auch lediglich als Mittel zur Ablenkung dienen – wie im Fall der Markthalle. Man steht vor dem Eingang zur vermarkteten Markthalle und schaut nachdenklich auf das Schild. Eine Hübsche geht vorbei, ein Smarter wandelt in die andere Richtung. Ihnen blickt man nach. Der Blick geht weg von der Stätte der geopferten Leutseligkeit und man denkt sich an andere Orte, die harmonisch und idyllisch zum Verweilen einladen. Doch: Was sollen Schuhfarbe und Schuhgrösse in einer Geschichte, die das Streichen der Halle aufnimmt? Was spielt es für eine Rolle, ob nun lackiertes Leder, schriller Plastik oder eine andere künstliche Textil über jenen Boden schreitet, der früher einmal als Plattform für das Stelldichein so vieler Menschen sorgte?

Fortsetzung

 

 

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