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Das alles geht in der Öffentlichkeit ab, einer Öffentlichkeit, die sich mit dem Andauern des Abends von den öffentlichen Plätzen zusehends in die geschützten Winkel des Nachtvergnügens verschiebt und dort höflich von den strengen Regeln des Tages und des damit verbundenen Alltags verabschiedet. Die Öffentlichkeit wird, wenn sich nach geleistetem Tagwerk die vielen Werktätigen erschöpft und ermattet nieder legen und gesegnet schlafen, offener. Die Worte reihen sich bei jenen, die auf bleiben, aneinander, zuweilen schneller und unbedacht, zuweilen wohlüberlegt, setzen sich zu einer Kette zusammen, in der die einzelnen Glieder manchmal durcheinander geraten. Was soll’s, es ist Nacht. Die Klarheit des Schachs schwand dahin. Das Selbstvertrauen wächst eingedenk der eigenen Unbedachtsamkeit, als stände man am Tag am Rande eines Schachspiels und gebe mit grossem Sachwissen seinen Kommentar zum Spiel unverhohlen ab.

Wer sich für den Abend an einem auf öffentlichem Platz ausgetragenen Schachspiel schult, ist schlecht beraten. Dort herrschen ganz andere Regeln als in der Nacht an der Bar. Mit der fortschreitenden Nacht findet der Mensch näher zu sich selber oder zu einem anderen Menschen. Am Tag bleiben die Spieler streng getrennt. Sonst verwischen sich auf dem Brett die Grenzen des Spiels, welches die Gesellschaft, sagt man, auf vierundsechzig Feldern abbildet.

Im öffentlichen Spiel des Tages ist man ganz anderen Regeln des gesellschaftlichen Spiels ausgesetzt als nachts. Wer nicht mit dem nötigen Wissen an ein öffentliches Schachfeld heran tritt, der unterlass seine Kommentare. Das ist eine weitere Regel, die nicht im Schachreglement steht. Übertritt er die Regel, stellt sich ihm sehr schnell die Blamage zur Seite. Diese Begleiterin schmeckt sehr bitter. An der eigenen Seite ist sie nicht gern gesehen.

Im Schachspiel steckt jenes Körnchen, das gute Kunst auszeichnet.

In den Augen vieler bildet Schach lediglich jenes Spiel, das aus einem Herumschieben von Figuren nach sonderbaren Regeln und mathematischen Berechnungen besteht.

Je besser ein Spieler zu spielen weiss, und dieser Einschub gilt nicht nur für das Spiel der Könige, desto mehr Würze vermag er in sein Spiel zu bringen und dieses nach eigenem Gutdünken zu lenken, indem er etwa den logischen Vorgaben ein Schnippchen schlägt.

Damit kann er Touristen verblüffen, welche die Qualitäten des beobachteten Spielers nicht kennen, weil sie fremd sind am Ort. Die neu Hinzugestossenen sind vermutlich mit den Schachregeln vertraut, wissen also um die Bedeutung dieses oder jenes Zuges und bleiben darum am Spielfeldrand stehen, um zuzusehen. Sie werden aber ganz unvermittelt die Augen aufreissen, wenn sie sehen, dass eben dieser Spieler darauf verzichtet, im Endspiel den Gegner matt zu setzen, und zwar in einer Stellung, in der auch der nicht sehr durchtriebene Schachkenner gewahrt, dass das Spiel in zwei Zügen aus ist. Denn dieser unterschätzte Schachspieler verblüfft, statt zu siegen, den baffen Touristen mit einem völlig überraschenden Zug, der das Spiel weiter in die Länge zieht. Was der eigentlichen Spiellogik widerspricht.

Helles Entsetzen, Kopfschütteln, ratloses Beraten, dumme Sprüche werden bei jenen Zuschauern folgen, sehen sie dieses offensichtliche Fehlspiel. Entsprechend lauten de Kommentare, ausfallend, gespickt mit Hohn: sieht nicht mal das Matt, soll das Feld verlassen, besser zuhause spielen, noch einmal zuhause üben.

Fortsetzung

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