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rx Inna

Zuerst vernimmt er die Stimmen aus aller Herren Länder, diese Stimmen, welche auf einen Wortschatz zurück greifen, der an dem Ort, in der Stadt, wo das Spielfeld steht, fremd tönt. Die Regeln des Schachspiels stimmen weltweit überein. Man kann aus entgegen gesetzten Teilen der Welt stammen und trotzdem miteinander Schach spielen, sich dabei im Gespräch auf wenige Worte beschränken. Das Spiel gelingt. Wobei während des Spiels der Charakter des Gegners besser offenbar wird als bei jedem mündlichen Informationsaustausch: Vordergründig zurückhaltend, aber vom Charakter her verschlagen und berechnend, etwa. Oder: Angriffslustig, aber ohne jede Schlagkraft.

Das Schach demaskiert den Gegner und präsentiert ihn auf einem silbernen Tablett – sofern der Spieler als Könner und Kenner dasteht und nicht als Stümper, der das Maul zu voll nahm, um am Platz eine Spielrunde zu ergattern, die es ihm erlaubt, auf das Brett zu gehen und gegen einen Spieler eine Runde zu drehen. Das Schach kommt nicht als eine weisse Schatulle daher, von der man nicht weiss, was sie birgt.

Erst wenn der Worte mehr werden, entpuppt sich das Herkunftsland. Schachspiele auf öffentlichem Grund, in Pärken und auf Plätzen, bilden den Anziehungspunkt für ein ganzes Panoptikum an Gestalten. Da tauchen mal jene auf, die Schach sehen wollen, Schach in all seinen Formen und Facetten; die still beobachten, was auch am Spielfeldrand abgeht, wo harrende Spieler und zuweilen zahlreiche Schaulustige in sonderbarer Kleidung, abgetragenen Klamotten oder skurriler Aufmachung, mit viel Konzentration oder in leichter Zerfahrenheit das sich langsam entwickelnde Spiel verfolgen.

Am Spielfeldrand stehen aber auch die Kenner, die Spannung suchen, ohne sprechen zu müssen.

Da sind auch jene, die einsam durch die Städte streifen und bei den Schachspielern vom Platz etwas Aufmerksamkeit und Wärme suchen. Alleinstehende Stromer bleiben schweigend stehen, beobachten, sagen immer noch nichts, weil sie nichts vom Spiel verstehen, nichts von seinen Regeln und der Ordnung, in welchem es steht. Die einzige Regel, die am Rande des öffentlichen Schachfeldes gilt: Jeder ist zugelassen, um zu schauen. Eine weitere ungeschriebene Bestimmung lautet: Jeder kann seinen Kommentar zum Spiel abgeben und er wird gehört. Was spielt schon die einzelne Interpretation für eine Rolle! Die Anderen werden eine eigene Meinung preisgeben.

Fortsetzung

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