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ro Esmeralda

 

„Sie sollen nicht zu kurz kommen. Das verspreche ich Ihnen. Denn wir werden in das Werk die Zeichen der Unendlichkeit, welche die Mathematik vorgibt, eingravieren. Die Pyramide verfügt über genug freie Wände, um irgendwo die N und die Acht anzubringen. Besonders die Aussagekraft der Acht wird voll zur Geltung kommen. Denn die Pyramide, die Pyramiden im Allgemeinen zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie über ein durchgehendes Loch verfügen. Ihre Acht dagegen besitzt derer zwei. Stellen Sie sich vor, Herr Schuster, wie die Polizisten ihre Augen aufreissen, wenn sie auf die Acht stossen, die wir in die Geschichte zur Pyramide einfliessen lassen. Das Ganze wird der Polizei noch unwirklicher erscheinen als der Freitod im steinernen Denkmal für die Ewigkeit allein. Die Polizei kann sich an den neuen Fakten die Zähne ausbeissen. Das Neue kann die Kriminalbeamtenschaft dann Stück für Stück in Zusammenhänge bringen. Die Behörden werden entdecken, dass es ausserhalb der Pharaonengemeinschaft eine Kultur gibt, die den freien Tod erlaubt und ihn nicht als diskussionsunwürdigen Entscheid abtut und Steinmonumente gigantischen Ausmasses aufstellt.“

„Unser Krimi nimmt immer seltsamere Züge an.“

„Nicht, wenn wir ihm die richtige Sprache verpassen. Es ist natürlich absolut notwendig, dass wir diese sehr gut ausarbeiten und an den Sätzen feilen. Wer liest heute schon freiwillig eine nicht ausgereifte Geschichte – und erst über den Freitod? Niemand, antworte ich. Jeder Satz muss genau überlegt werden, bevor er freigegeben wird. Denn ein freigegebener Satz ist wie der Freitod nicht rückgängig zu machen. Darum müssen wir bei jedem Satz genau überlegen, ob dieser es verdient, aufgeschrieben zu werden oder nicht. Ein falsch oder schlecht gesetzter Satz kann ein ganzes Werk verderben.“

„Das wird ein hartes Stück Arbeit werden.“

„Die Kultur der Verbote gegen die Kultur der Freiheit! Die Freiheit hilft vielen, die Verbote bereichern einige.“

„Ist das, gesamthaft gesehen, nicht etwas viel Stoff auf einmal? Wie kann unser Krimi dies alles verdauen?“

„Es ist wie bei meinen Friedhöfen: Man muss die Übersicht wahren. Wenn der ganze Stoff über Ewigkeit, Sterbeverbot, Pyramide, Schock für die Pyramidengläubigen, Mystik des freien Todes konsequent in einen Kriminalfall eingepackt werden soll, dann wird es uns die Arbeit wesentlich erleichtern, wenn wir diesen Kriminalroman gemäss der Prinzipien meiner Kompositionskunst, die auf den Regeln des Kürzens aufbaut, behandeln. Richtig gekürzt gewinnt unser Werk an Spannung. Ich werde um die Sprache ein Korsett legen und dieses fest zuschnüren, damit die überflüssigen Worte hinaus gepresst werden und nur das Wesentliche im Roman bleibt. Unsere Geschichte wird unendlich schön wie eine Frau werden, die den Freitod wählt.“

„Ich dachte, dass ein Mann, für den Sie ja stehen, in der Pyramide liegt.“

„Man darf das nicht so eng sehen. Sicher, in unserem Fall handelt es sich um einen Mann. Wenn wir das Geschlecht der Leiche nicht ändern, dann vereinfacht uns dies wesentlich das Erzählen unserer Geschichte.“

Fortsetzung

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