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rg Haut

Er beendet zum Beispiel kurzerhand und brutal den „Teil 3“ seiner Geschichte, in welchem sich die beiden wirklich selbstgefälligen Helden wie zwei muntere Kinder in einem Bottich Wasser tummeln, und beginnt einen neuen: den „Teil 4“. Dieser setzt der selbstherrlichen Machtübernahme durch die zwei eigendynamischen Gesellen einen unmissverständlichen Punkt. Zu einem späteren Zeitpunkt werden die Usurpatoren gegebenenfalls in die Geschichte zurück geholt, sofern sie sich reumütig zeigen, anständig benehmen und versprechen, dem Herren der Geschichte und dessen Ideen zu folgen und zu dienen. Auch Romanfiguren haben sich der Ordnung zu fügen. Wo käme der umsichtige Schreiber hin, würde er die von ihm geschaffenen Figuren gewähren lassen, wie sie wollen!

Der bedacht handelnde Schreiber muss aber all seinen Figuren, widerspenstigen wie willfährigen, mit einem gewissen Anstand begegnen, auch den gefügigen, wie sauer ihm ihr Gehabe aufstösst, sonst führen sich diese störrisch und rebellisch auf. Auch zu viel Gehorsam vermag eine Geschichte zu lähmen. Nichts erweist sich für das ungehinderte erzählerische Abspulen einer Geschichte hinderlicher als eine beleidigte oder langweilige Figur, sei diese nun zu Recht oder nicht beleidigt oder langweilig. Wenn sich eine solche quer oder lahm legt, dann muss der rote Faden um etliche Ecken und somit über zum Teil weite Umwege abgehaspelt werden, soll er zum Ende der Geschichte finden und führen.

Ein deutlich besiegelter und abgeschlossener „Teil 3“ schafft hingegen Klarheit. „Teil 4“ öffnet neue Welten, die literarisch frei von allen Eigenmächtigkeiten von Figuren, denen der unaufmerksame Schreiber in einem Moment der Unachtsamkeit zu viel Leine liess, erschlossen werden.

Der selbst eingeforderte Anstand des besonnenen Schreibers führt jedoch dazu, dass dieser nicht mit dem stählernen Zweihänder in das animierte Gespräch der beiden Herren fährt, sondern, eben, gute Miene zum bösen Spiel macht, indem er die beiden Scharfmacher der absoluten Konsequenz menschlichen Denkens und Handelns noch eine Weile plaudern lässt und sie dann ganz diskret aus dem Erzählstrang heraus nimmt und in die erzählerische Quarantäne entlässt. Dort sollen sie sich läutern, sodass sie nicht mehr als geschwätzige Vertreter einer Unsinnspoesie auftreten, sondern als würdige Gestalten dieses Werkes.

Der Schreiber hat nach wie vor über alles, was er festhält und notiert, die volle Kontrolle.

Vorerst, um Gesicht und Anstand zu wahren, soll den beiden Herren gewährt werden, dass sie spatzenhaft noch etwas nach ihrem selbst gewählten Plauderschema zwitschern, ungebändigt, als Zeichen ihres gemeinsamen Aufbruchs. Niemand soll sagen dürfen: Der Schreiber benimmt sich als Diktator.

Fortsetzung

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