sch-ach-re-Duerre

re Dürre

 

Wenn zwei sich zusammen tun und, was das Zeug hält, daher reden, ohne Ende, ohne Pause, ohne zu schliessen, und denen mit Verstand nicht mehr beizukommen ist, dann nützt es auch nichts, wenn man ihnen Felsen in den Weg legt, um ihrem Lauf Einhalt zu gebieten. Deren Reden wickelt sich als ein unkontrolliertes Hopsen und Springen ab, geht nach allen Seiten ab, vorwärts und zurück, als sei es ein Hase, der denkt und dabei einem Feind Haken schlägt. Kein Fels vermag in seiner Fest- und Bewegungslosigkeit solcher Dynamik beizukommen. Als Dynamit erweist sich die Geschwindigkeit. Den hindernden Steinzacken, der heimtückisch aus der Felswand schaut, Sinnbild für das fällende, regulierende Element im ungebändigten Gedankenfluss, die klärende Verstandesnorm, die dem Wagemut und Heisssporn klare Linien versetzt, sprengten die Worte des an Schabernack grenzenden Doppelvortrags ganz einfach fort wie einen Eiszapfen, der sich zu weit auf die Strasse hinaus gezogen hat.

Zögern, zaudern, zornig sich zurück setzen, zürnen, trotzen, schmollen, maulen, mucken, murren – die Zacken der Felsen haben viele Namen. Die beiden Herren, die in dieser Geschichte das Szepter an sich gerissen hatten, liessen sich durch nichts beirren, sondern radelten munter durch ihre Gedankenwelt. Sie stahlen nicht links, klauten nicht rechts, bewegten sich vielmehr ideenreich vorwärts, überraschten mit jedem Gedankengang den Schreiber selber. Warum also Einhalt gebieten und sich dem Redeschwall in den Weg stellen? Wenn Figuren in einer Geschichte mit der Kraft eines unendlichen Wassersturzes von einem Felsen herab Amok laufen, dann geht ihnen jeder Schreiberling aus dem Weg.

Jeder Ausstoss von Gedankenkraft bildet einen neuen Anfang; ein Auswurf, der über jeden Zweifler mit geradezu boshafter Energie hinweg fegt. Der Redeschwall der beiden ungleichen Herren ergänzte sich aufs Wunderbarste. Die beiden wussten selber nicht, wie es zu dieser gemeinsamen Niederkunft von zahllosen Eingebungen und geradezu überraschenden Gedankenblitzen kam, stellten sich ihnen auch nicht in den Weg, sondern ebneten ihrer gemeinsamen Zukunft unerschrocken den Weg, getränkt von Übermut und wissenschaftlich-künstlerischem Leichtsinn.

Jetzt mischt sich auf einmal die mütterlich-väterlich-umsorgende Stimme des Schreibers ein, der um sein Werk fürchtet, weil zwei Figuren, die er kreiert, in schriftstellerischem Übermut über die sich mehrenden Zeilen fegen und sich ganz eigennützig einen Weg selber bahnen. Des Schreibers Schreiben führt eine Feder, die einen steten Kampf gegen die eigenen ins Leben gerufenen Figuren ficht.

Fortsetzung

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